Wirtschaft : Wall AG bietet nicht mehr für KPM

Verkaufsverhandlungen für die Königliche Porzellan-Manufaktur sollen dennoch in den kommenden Wochen abgeschlossen werden

Alexander Visser

Berlin - Der Berliner Unternehmer Hans Wall hat sich aus dem Bieterwettbewerb um die Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM) zurückgezogen. Er begründete diesen Schritt mit der Auftragslage seines Unternehmens. „Unser Geschäft expandiert in Europa so stark, dass ich mich nicht nebenbei um die KPM kümmern könnte“, sagte Wall am Montag dem Tagesspiegel. Die Wall AG verkauft Wartehäuschen, City-WCs und Posterflächen. Mit seinem Angebot vom Frühjahr habe er das Porzellanhaus vor der Pleite retten wollen. „Es gibt jedoch mehrere andere gute Bewerber, daher mache ich mir über die Zukunft von KPM keine Sorgen mehr“, sagte Wall. Er selbst habe 3,2 Millionen Euro für die KPM geboten.

Das 1763 gegründete Traditionshaus, das sich im Besitz der Investitionsbank Berlin (IBB) befindet, macht hohe Verluste: 2003 erwirtschaftete die Manufaktur ein Minus von 3,15 Millionen Euro bei einem Umsatz von 9,58 Millionen. Die IBB hat die Beratungsgesellschaft O&R Corporate Finance mit dem Verkauf beauftragt. Eigentlich sollte der bis Ende November abgeschlossen sein. Nun spricht O&R-Geschäftsführer Wolfgang Essler von einer Entscheidung „in den nächsten Wochen“. „Es geht nicht darum möglichst schnell einen Käufer zu finden, sondern darum, den richtigen Käufer zu finden“, so Essler.

KPM-Geschäftsführer Elmar Schmitz wollte sich nach dem Ausstieg Walls nicht zum Stand der Verhandlungen äußern. Schmitz erklärte lediglich: „Der Verzicht von Hans Wall beunruhigt mich nicht, der Verkaufsprozess geht weiter“. Laut O&R-Geschäftsführer Essler werde noch mit mehreren Bietern verhandelt.

Im Vorfeld des Verkaufsprozesses hatte die O&R aus 40 Interessenten 20 Bieter ausgewählt. Zu Beginn des Bieterverfahrens im Juli wurden neben Hans Wall auch Franz Wilhelm Prinz von Preußen und der Unternehmer Helmuth von Maltzahn als ernst zu nehmende Kandidaten gehandelt. Und auch ausländische Finanzinvestoren sollen Interesse signalisiert haben. Über Details des Verfahrens wollen sich die Beteiligten aber nicht äußern, um den Prozess nicht zu gefährden.

Einfach wird der Verkauf der KPM nicht: In dem Unternehmen steckt ein Gesellschafterdarlehen von rund zehn Millionen Euro. Außerdem werden bei einer Privatisierung die Pensionszahlungen bei der öffentlichen Versorgungskasse VBL für die 170 KPM-Mitarbeiter fällig – das sind rund 15 Millionen Euro. Der Käufer müsste dafür aufkommen, es sei denn, das Land verzichtet auf die Rückzahlung der Darlehens und übernimmt auch die Ablösesumme für die VBL.

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