Wirtschaft : Wall gewinnt Münster und leidet unter Werbekrise

Berlin - Mit Freude und Genugtuung hat die Berliner Wall AG auf den Zuschlag von Münster für die Außenwerbung in der Stadt reagiert. „Unsere Strategie geht auf“, sagte Vorstandschef Daniel Wall dem Tagesspiegel, „wir wollen mit unseren Produkten die Städte begeistern.“ Wall kritisierte den unterlegenen Wettbewerber Deutsche Städte Medien DSM/Ströer, der Zweifel am ordentlichen Ablauf der Ausschreibung geäußert hatte. „Die Nerven liegen blank, weil die das total verschlafen haben“, meinte Wall über den Konkurrenten. Die Kritik von Ströer sei indes „unter der Gürtellinie“ gewesen. Einem möglichen Rechtsstreit sieht Wall gelassen entgegen, ähnliche Auseinandersetzungen in Reutlingen und Freiburg habe man gewonnen.

In den vergangenen 80 Jahren hatte die DSM/Ströer das exklusive Recht gehabt, in Münster im öffentlichen Raum Werbeflächen zu vermarkten. Mit der nun getroffenen Entscheidung des Stadtrats übernimmt Wall in den kommenden 15 Jahren die Stadtmöblierung und Außenwerbung. Zuvor investiert das Berliner Unternehmen nach eigenen Angaben zwölf Millionen Euro in neue Buswartehallen, Litfasssäulen, Toiletten und interaktive Terminals. Das Berliner Architektenbüro Kleihues, bereits seit Jahren für Wall tätig, hat das Design für die Münsteraner Stadtmöbel entworfen. Nach Angaben von Wall geht das „Wechselspiel von konkav-konvex-konkaven Elementen auf die Barockbauten des Hofarchitekten Johann Conrad Schlaun zurück, die dem Stadtbild seine typischen Zügen verleihen“, so heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Für Vorstandschef Daniel Wall ist die Entscheidung Münsters eine „tolle Botschaft“ auch für andere Städte, um die sich Wall derzeit bewirbt. Dazu gehören Bielefeld, Wolfsburg und Stuttgart sowie München mit seinen öffentlichen Toilettenanlagen. Wall ist als Außenwerber und Stadtmöblierer in sechs Ländern und mehr als 50 Großstädten tätig und erreichte 2007 mit knapp 700 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 152 Millionen Euro.

In diesem Jahr werde sein Unternehmen „mit einem blauen Augen davonkommen“, sagte Wall am Donnerstag. „Mit der Werbekrise haben wir auch zu kämpfen.“ Nach seiner Einschätzung werde frühestens Mitte nächsten Jahres der Werbemarkt in Deutschland neuen Schwung bekommen. alf

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