Wirtschaft : Wall Street: Anleger brauchen noch Geduld

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Wenn der getrübte Ausblick bei Sun Microsystems und die von EMC angekündigten Entlassungen Hinweise auf die Entwicklung an der Wall Street sind, müssen sich die Anleger mit der Gewinnerholung im Technologiesektor bis Jahresschluss gedulden. Der technologielastige Nasdaq-Index verlor in der Wochenbilanz 101,59 Punkte oder 4,51 Prozent auf 2149,44. Sun erwartet im laufenden Quartal nur noch zwei bis vier Cent Gewinn je Aktie und liegt damit deutlich unter der Erwartung von Analysten, die mit sechs Cent gerechnet hatten. Vor einem Jahr hatte Sun in der vergleichbaren Berichtsperiode 20 Cent verdient. EMC will vier Prozent seiner Mitarbeiter entlassen; das wäre der erste Personalabbau seit fünf Jahren. Deshalb stufte die Analystin Laura Conigliaro von Goldman Sachs ihre Gewinnerwartung für 2001 auf 76 Cent von 81 Cent herab. Das versetzte dem gesamten Markt einen Dämpfer.

Keine wesentliche Veränderung zeigte der Dow-Jones-Index. Er beginnt die neue Börsenwoche 14,96 Punkte oder 0,14 Prozent tiefer auf 10 990,41 Punkten, ging aber am Freitag mit einem bescheidenen Gewinn ins Wochenende. Auftrieb kam unter anderem von General Motors. Entgegen Analystenerwartungen brachte es der führende Autohersteller im Mai auf ein Absatzplus von 0,1 Prozent und zog Ford mit nach oben, obwohl die Auslieferungen dort nachgelassen haben. Die Fahrzeugproduzenten sowie konjunktursensible Werte wie Alcoa und International Paper hätten von den unerwartet freundlichen US-Arbeitsmarktzahlen profitiert, hieß es am Markt.

Der schwächer als erwartet ausgefallene Monatsindex der Einkaufsmanager und Kursverluste bei den Finanztiteln American Express und General Electric, die GE Financial besitzt, bremsten die Aufwärtsbewegung etwas. Zwar rechnet man an der Wall Street mit einer weiteren Zinssenkung der Notenbank Fed um 25 Basispunkte bei der kommenden Sitzung am 27. Juni; die Fed wird aber damit wenig bewegen können. Der Markt habe die nächste Zinssenkung bereits vorweg genommen, sagt der Analyst Paul Cherney von S&P Marketscope.

Besser liegen die Festverzinslichen im Rennen. Nach der Bekanntgabe am Freitag, dass die Arbeitslosenquote im Mai auf 4,4 Prozent von 4,5 Prozent im April gefallen ist, konnten die Festverzinslichen Verluste wettmachen. Die Renditen auf zehnjährige US-Schatztitel fielen am Freitag bei steigenden Kursen auf 4,19 Prozent von 4,26 Prozent in der Vorwoche. Das Volumen der Industrieanleihen hat im Mai mit 80,65 Milliarden Dollar einen Monatsrekord erreicht. "Die Unternehmen haben einen scheinbar unersättlichen Appetit auf Anleihen", sagte Dennis Hynes von R.W. Pressprich. Glauben die Anleger, dass sich die Wirtschaftsschwäche dem Ende zuneigt und die Unternehmen bald wieder besser verdienen? Nicht unbedingt, meint Hynes. Er begründet das hohe Anleihenvolumen hauptsächlich mit der Nachfrage aus Übersee. "Europäische Investoren sind wegen des fallenden Euros und der Dollarstärke aggressive Käufer von US-Industriepapieren", sagt Hynes. Er verweist zudem auf die Schwäche im Produzierenden Gewerbe, die aus dem Mai-Index der Einkaufsmanager hervorgeht. Der Index war mit 42,1 nach 43,2 Punkten im Vormonat schwächer als von Analysten erwartet.

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