Wirtschaft : Wall-Street-Debakel stürzt Märkte in Turbulenzen

FRANKFURT (MAIN) (Tsp/rtr/AFP).Nach den dramatischen Kursverlusten an der New Yorker Wall Street von über sechs Prozent haben die internationalen Wertpapiermärkte am Dienstag nervös aber insgesamt robuster als befürchtet reagiert.Auf dem Frankfurter Börsenparkett ging die Berg- und Talfahrt der Kurse zunächst weiter, am Nachmittag kehrte dann aber nach einem stabilen Auftakt des Aktienhandels in New York Ruhe ein.Der Dax beendete den Parketthandel schließlich mit 4791,81 Zählern, 42,08 Punkte oder 0,9 Prozent unter dem Vortagesschluß.Lediglich die Börse in Tokio hatte am Morgen den negativen Vorgaben aus New York mit Zugewinnen getrotzt.Der japanische Nikkei-225-Index erhöhte sich um knapp zwei Prozent auf 14 369,63 Punkte.An den übrigen Fernost-Börsen ragte der Kurseinbruch in Malaysia um 13,3 Prozent heraus.Die Regierung in Kuala Lumpur hatte zuvor Kontrollen des Devisenverkehrs und Beschränkungen für den Aktienhandel durch ausländische Anleger bekanntgegeben.Von der Wall Street mitgerissen wurden auch die lateinamerikanischen Finanzmärkte.An der Börse in Mexiko sanken die Aktienkurse am Montag um durchschnittlich 5,1 Prozent, in Brasilien verlor das maßgebliche Börsenbarometer 4,3 Prozent.

An der Wall Street war das Börsenbarometer, der Dow-Jones-Index, am Montag um 512,61 Punkte oder 6,4 Prozent auf 7539,07 Punkte gefallen.Mehr Punkte verlor der Index nur am 27.Oktober 1997.Mit dem jetzigen Stand des Dow-Jones sind die gesamten Kursgewinne seit Jahresbeginn aufgezehrt - Ende des vergangenen Jahres lag das Börsenbarometer bei 7908,25 Zählern.

Unterdessen versuchte die US-Regierung, Bedenken über eine Wirtschaftskrise zu zerstreuen.Die amerikanische Wirtschaft bleibe gesund, sagte Finanzminister Robert Rubin am Montag in Washington.Die Aussichten für Wirtschaftswachstum, geringe Arbeitslosigkeit und niedrige Inflation seien weiterhin gut.Der US-Finanzminister räumte jedoch ein, daß die Welt eine schwierige Zeit erlebe.Rubin informierte auch US-Präsident Bill Clinton auf dessen Weg nach Moskau über die Vorgänge an den Finanzmärkten.Die russische Nachrichtenagentur Interfax meldete am Dienstag, der russische Rubel solle nach mehr als einwöchiger Unterbrechung ab Donnerstag wieder amtlich gehandelt werden.Das amtliche Fixing solle dann voraussichtlich auf neuer Grundlage erfolgen.Der Rubel kann seit Mittwoch vergangener Woche offiziell nicht mehr gegen Fremdwährungen getauscht werden.

Angesichts der Börsentalfahrt bekräftigte die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) ihre Empfehlung, Kleinanleger sollten eine Mischstrategie wählen.Aktien, die vor dem Boom erstanden wurden und noch einen Kursgewinn aufweisen, sollten möglichst verkauft, Verlustbringer nach dem Motto "Augen zu und durch" gehalten werden.Zum Zukaufen ist das Dax-Niveau nach Ansicht von SdK-Vorstandsmitglied Anneliese Hieke noch nicht tief genug."Das wird ganz sicher ein heißer Börsenherbst werden", prophezeit Hieke.

Verbraucherschützer warnten konservative Anleger davor, mehr als ein Fünftel ihres Vermögens in Aktien anzulegen.Nur wer in der Lage sei, höhere Rückschläge wegzustecken, könne als risikobewußter und kapitalfester Anleger auf bis zu 40 bis 60 Prozent Aktien hochfahren, meint der Finanzexperte der nordrhein-westfälischen Verbraucherzentrale, Thomas Bieler.

Ein düsteres Bild von Konjunktur und Börsen im Umfeld der Krisen in Rußland und Asien hat am Dienstag der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, gezeichnet.In einem Gespräch mit dem Saarländischen Rundfunk prognostierte Walter weitere Kurseinbrüche an den Börsen: "Jetzt sind wir auf dem Weg nach unten.Ich vermute wir überschießen auch nach unten, bevor es zur Stabilisierung kommt.Das ist keine übliche Börsenhektik mehr.Das ist in der Nähe eines Crashs."

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