Wirtschaft : Wall Street: Die Präsenz in Amerika gilt als Gütesiegel

Obert Ide

Der Gang an die Wall Street hat sich bislang für deutsche Unternehmen ausgezahlt. Auch wenn der US-Markt derzeit nicht besonders attraktiv ist, bewerten Beobachter den Schritt der Siemens AG nach New York positiv. Konzerne, die bislang den Sprung über den großen Teich gewagt haben, berichten von guten Erfahrungen am größten Kapitalmarkt der Welt.

"Der Gang nach Amerika kam uns in allen Punkten zugute", berichtet Thomas Fröhlich von Daimler-Chrysler. Daimler war 1993 als erstes deutsches Unternehmen an die Wall Street gegangen, um sich Zugang zum US-Kapitalmarkt zu verschaffen und den Kreis potenzieller Aktionäre zu vergrößern. Auf dieser Basis konnte Daimler-Benz ein Jahr später sein Kapital erhöhen - "ohne Börsengang wäre das nicht möglich gewesen", sagt Fröhlich. Zudem hätten die strengen amerikanischen Bilanzierungsrichtlinien - nach dem so genannten US-Gaap - dazu geführt, den Konzern anlegerfreundlich zu vermarkten. Das habe sich bei der späteren Fusion mit Chrysler und dem zweiten, gemeinsamen Börsengang 1998 ausgezahlt.

"Die Präsenz an der Wall Street ist ein Gütesiegel", sagt Hubertus Kuelps von der Allianz. Nach der Premiere der Versicherungsgesellschaft in New York im vergangenen November stieg die Zahl der US-Aktionäre von 4,2 Prozent auf 5,4 Prozent. Die Präsenz sei vor allem wichtig, um institutionelle US-Anleger zu binden. Manch amerikanischer Pensionsfonds sei gar nicht berechtigt, mit großen Summen in Frankfurt zu investieren. Da wird Präsenz vor Ort zur Pflicht.

Wichtig für Konzerne ist die öffentliche Wirkung. "Mit unserem Auftritt konnten wir die Bekanntheit in Amerika steigern", erzählt Stefan Gruber, SAP-Manager in New York. Der Softwarekonzern war im August 1998 nach Amerika gegangen, um Trends der Technolgiebranche nicht zu verpassen.

Für dieses Jahr haben noch zwei weitere deutsche Schwergewichte einen Gang an die New York Stock Exchange geplant. Die Deutsche Bank plant ihr Listing für Herbst, die Bayer AG visiert den Sommer anvisiert, allerdings ohne konkreten Termin. "Wir lassen uns ein kleines Hintertürchen offen", sagt Bayer-Sprecher Günter Forneck mit Blick auf die schwächelnde Wall Street. Die Platzierung von Aktien sei für einen international operierenden Konzern aber "eine Frage der Wahrnehmung". Zudem steige die Attraktivität eines Unternehmens, wenn "Aktionäre nicht andauernd die Währung umrechnen müssen". Erleichterungen verspricht sich Bayer bei eigenen Investitionen. US-Mitarbeiter könnten mit amerikanischen Aktien bezahlt werden, auch Übernahmen anderer Unternehmen könnten in US-Anteilen bezahlt werden. Anlegern empfiehlt Forneck übrigens, deutsche Unternehmen weiterhin in Frankfurt zu handeln. "Wo der größte Umsatz eines Konzerns ist, ist der Preis am ausgewogensten."

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