Wirtschaft : Wall Street macht Börse nervös

Dax-Reaktion aber moderater als erwartet / Keine Panik an der Berliner Börse BERLIN (mot).Der Kurssturz an den deutschen Aktienmärkten im Gefolge des Einbruchs an der Wall Street ist am Montag schwächer als befürchtet ausgefallen.Die Aktienkurse reagierten gleichwohl sehr sensibel auf die New Yorker Vorgaben: der Dax rutschte am Morgen nach einem nervösen Handelsauftakt zeitweise unter die 4000er-Marke, erholte sich im Verlauf aber wieder und schloß bei 4078,60 Punkten und damit 74,26 Zähler oder 1,79 Prozent niedriger als am Freitag."Panik ist aber nicht angebracht", faßte auf dem Berliner Börsenparkett Angela Imlau, Leiterin der Börsenabteilung der Berliner Volksbank, die Stimmung an der Spree zusammen.Das Wochenende sei in Erwartung der Kursentwicklung auch in Berlin spannend gewesen, die stabile Verfassung der Börse am Montag dokumentiere aber "ein gewisses Vertrauen in den deutschen Aktienmarkt".Kleinanlegern, die schon am Wochendende vor überstürzten Reaktionen gewarnt worden waren, riet Imlau, "sich nicht zu sehr verschrecken zu lassen".Der Kursrutsch sei kein Crash gewesen, sondern ein deutlicher Rückgang auf ein niedrigeres Niveau, bei dem sich ein Einstieg auch für Neuanleger durchaus lohne. Kursmakler Peter Hirthammer zeigte sich beruhigt über die Dax-Bewegung, die oberhalb der psychologisch wichtigen 4000-Punkte-Marke zum Stillstand gekommen sei."Die Warnungen an die Adresse der Kleinaktionäre, das Vertrauen in die Aktie nicht zu verlieren, haben geholfen", so interpretierte Hirthammer den im Verlauf stabilen Handel.Das Geld warte auf Anlagemöglichkeiten - am Montag hätten viele die Gelegenheit zum Einstieg genutzt.Ähnlich die Einschätzung von Kursmakler Gerhard Anhoff: "Wer den Mut hatte einzusteigen, hat gutes Geld verdient." Insgesamt sei noch ein Dax-Verlust von 10 Prozent "eher gesund" und kein Grund zu überstürzten Reaktionen, sagte Anhoff.Die Warnungen vor Panik-Reaktionen, die am Wochendende veröffentlicht worden waren, seien kontraproduktiv gewesen, erklärte hingegen Hans-Wolfgang Loyda, Direktor der Weberbank."So macht man die Leute verrückt." "Kaufkurse" machte Freiverkehrsmakler Stefan Powels am Montag aus.Die Reaktionen auf die Wall Street seien auf breiter Front sehr moderat gewesen, einige Werte hätten sich gar nach oben bewegt - etwa die Berliner Freiverkehrs AG, die mitgeteilt hatte, sie erwarte für das dritte Quartal dieses Geschäftsjahres eine "Ertragsexplosion"."Für die Werte des Neuen Marktes müssen wir in Berlin keine großen Verluste anschreiben", so Powels Fazit.Der Markt warte gespannt auf die Sitzung des Zentralbankrates, der am kommenden Donnerstag über mögliche Anpassungen der Leitzinsen entscheide."Die Kurse werden aber voraussichtlich weiter freundlich bleiben", glaubt der Makler.Die Bundesbank werde die Zinsen wohl unberührt lassen, die US-Wirtschaft wachse inflationsfrei, allein der starke Dollar störe inzwischen ein wenig, weil er die Angst vor importierter Inflation schüre. Der Rentenmarkt reagierte am Montag freundlich, aber nicht euphorisch."Der Markt ist nicht in den Sog der Aktien geraten", so Rentenmakler Detlef Urban.Ausschläge von 11 bis 12 Pfennigen seien normal, auch am Rentenmarkt werde indes mit Blick auf die Zinsen "die Luft dünner".

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