Wirtschaft : Wall Street simuliert Jahr 2000

NEW YORK .Der erste großangelegte Wall-Street-Test zur Lösung des sogenannten Jahr-2000-Problems ist am Montag relativ glatt über die Bühne gegangen.Insgesamt nahmen zwölf amerikanische Börsen und 29 Investmentbanken an der Testaktion teil.

"Es lief alles gut, bis auf einige Kommunikationsprobleme zwischen Computern.Diese hatten aber nichts mit dem Jahr-2000-Problem zu tun", betonte Margaret Draper, die Sprecherin des Dachverbandes der amerikanischen Wertpapierbranche Securities Industries Association (SIA) in New York.Die SIA ist der Sponsor der gesamten Testserie, die bis zum 27.Juli läuft.

Alte Rechner und Softwareprogramme konnten nicht zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 1900 unterscheiden.Aufgrund begrenzter Speicherkapazitäten stellten die Computer früher Jahreszahlen immer nur mit zwei Ziffern dar."00" stand für das Jahr 1900, "99" für das Jahr 1999.Die Teilnehmer stellten ihre an dem Test beteiligten Rechner am Montag morgen nun so ein, als wäre es der 29.Dezember 1999.Es wurden Aktien, Anleihen und Optionen gehandelt.Es handelte sich allerdings laut Draper nicht um einen "Volumentest", sondern es wurden nur relativ bescheidene fiktive Umsätze getätigt.

Die mit Spannung erwartete Testserie kostet Millionen.Sie soll zeigen, ob die Investmentbanken und die anderen Wall-Street-Mitspieler sich richtig auf die Umstellung vorbereitet haben - oder ob sie zur Jahrtausendwende einen extrem kostspieligen Zusammenbruch ihrer Computersysteme erleben könnten.

Die Wertpapierbranche investiert laut Draper mehr als fünf Mrd.Dollar (neun Mrd.DM), um die eigenen Computersysteme so umzustellen, daß sie das Jahr 2000 und spätere Daten richtig erkennen können.Computerprogramme müssen umgeschrieben und teilweise auch Computerchips ausgetauscht werden.Bei weiteren Tests soll in den kommenden zwei Wochen auch der fiktive Wertpapierhandel am 30.und 31.Dezember 1999 und zu einem späteren Zeitpunkt geprüft werden.Die Wall Street gilt bereits als eine der am besten vorbereiteten amerikanischen Branchen.Die Tests werden deshalb von vielen Unternehmen, Behörden und Ministerien in aller Welt verfolgt.

Edward Yardeni, Chefökonom der Investmentbanktochter der Deutschen Bank in New York, gilt als einer der angesehensten Fachleute auf diesem Gebiet.Er warnt wegen der unzureichenden weltweiten Vorbereitungen auf das Jahr-2000-Problem vor einer "globalen Rezession".Nach seiner Meinung gibt es eine 70prozentige Wahrscheinlichkeit für einen Konjunktureinbruch, der das globale Bruttoinlandsprodukt um zwei Billionen Dollar (3,6 Billionen DM) drücken könnte.

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