Wirtschaft : Wall Street: Wegen drohendem Kursverfall geschlossen

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Über 200 Jahre ist die New York Stock Exchange (Nyse) alt, die auch als Wall Street bekannt ist. Und seit jeher sind die Geschehnisse auf dem Börsenparkett aufs Engste mit der amerikanischen Geschichte verbunden: Bürger- und Weltkriege, Vietnam und Irak, Kennedy und Nixon haben an der Wall Street Spuren hinterlassen. Doch kaum ein Ereignis in den letzten zwei Jahrhunderten hat solche Auswirkungen auf den größten Finanzplatz der Welt gehabt wie das Attentat auf das World Trade Center in dieser Woche: Der Handel wurde vom 11. bis zum 14. September ausgesetzt, der Eingang der Nyse in der Broad Street blieb verriegelt. Das passierte in der Geschichte der Wall Street nur dreimal: In den Jahren 1873, 1914 und 1945 blieb die Stock Exchange für meherere Tage hintereinander geschlossen. Am 19. September 1873 musste eine der damals bedeutendsten Bankgesellschaften der USA, die Jay Cooke & Company in Philadelphia, Konkurs anmelden. Fehlspekulationen mit Bahn-Aktien hatten zum finanziellen Ruin des Kreditinstitus geführt. Die amerikanische Finanzwelt geriet in Panik. Daraufhin wurde der Aktienhandel an der Wall Street für zehn Tage still gelegt.

Mehr als 40 Jahre später blieben die Pforten der Nyse erneut geschlossen. Der Beginn des Ersten Weltkriegs ließ weltweit alle Börsen den Aktienhandel vorläufig einstellen, um einen weiteren Kursverfall zu vermeiden. Die Wall Street schloss am 31. Juli und öffnete erst nach viereinhalb Monaten wieder. Der freie Handel startete allerdings noch später: Die letzten Preisbeschränkungen wurden im April 1915 aufgehoben. Das Ende des Zweiten Weltkriegs war dann das nächste und bis zum 11. September dieses Jahres das letzte Ereignis, das zum mehrtägigen Stillstand auf dem Parkett führte: Am 15. und 16. August 1945 wurde an der Wall Street nicht gehandelt, sondern die Rückkehr der siegreichen Soldaten gefeiert.

Auch in der Nachkriegszeit pausierte das Aktiengeschäft an der Nyse - allerdings nur für Minuten oder Stunden, in seltenen Fällen für einen ganzen Tag. So schloss die Wall Street nach dem Attentat auf John F. Kennedy am 22. November 1963 um 14.07 Uhr. Am Tag von Kennedys Beerdigung blieb die Nyse ebenfalls zu - wie bei der Bestattung aller amerikanischen Präsidenten. Doch nicht nur historisch bedeutende Begebenheiten, sondern auch Naturereignisse wie Wind und Schnee brachten den Handel an der New Yorker Börse zum Erliegen. Als im September 1985 der Hurrican Gloria über die USA fegte, wurde die Wall Street für einen Tag geschlossen.

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