Wirtschaft : WALL STREET: Weiter scharfe Kursausschläge

Verunsicherung nimmt zu

NEWYORK (pf). An der Wall Street greift die Verunsicherung der Anleger immer weiter um sich.Am Freitag brach der maßgebliche Dow Jones-Index vormittags um 269 Punkte ein.Das waren 3,5 Prozent.Doch im Späthandel retteten Schnäppchenjäger den Tag.Der Dow schloß mit einem Minus von 90 Punkten oder 1,15 Prozent bei 7756.Im Wochenvergleich hat er 110 Punkte verloren.Die Aktienbörse reagierte zunächst auf die scharfen Kurseinbußen in Japan und Korea sowie die schwache Verfassung der europäischen Märkte.Symptomatisch war der Zusammenbruch des japanischen Lebensmittelhandelshauses Toshoku.Hinzu kamen Anlegersorgen, daß sich die Südostasienkrise verschlimmmern könnte und welche Folgen das auf die Gewinne der amerikanischen Gesellschaften haben könnte.Die Kurserholung am Nachmittag läßt sich teilweise mit dem festen Rentenmarkt erklären.Amerikanische Anleihen gelten in turbulenten Zeiten als sicherer Hort.Im 30jährigen Bereich fielen die Renditen auf 5,91 Prozent.Fachleute gehen davon aus, daß die Asienkrise in den USA das Wirtschaftswachstum 1998 um mindestens 0,5 Prozent reduzieren werde.Das sorge für Preisstabilität.Der Verbraucherpreisindex ist in den 11 Monaten zum 30.November bei einer Jahresrate von 1,8 Prozent gestiegen.Ein weitere Grund für die Nachmittagsrallye war die Erholung der Technologiewerte, die in den vergangenen Sitzungen unter die Räder gekommen waren.Wie geht es weiter? Abby Joseph Cohen, Anlagestrategin bei Goldman Sachs & Co, sagt, mit scharfen Kursausschlägen müsse man sich in der nächsten Zeit abfinden, solange keine Klarheit über die Auswirkungen der Asienkrise auf amerikanische Unternehmen und die Gewinne im vierten Quartal bestehe.Andererseits macht Cohen geltend, Amerika sei zwar das führende Exportland, verfüge aber auch über den größten Binnenmarkt und der sei in guter Verfassung.Für das kommende Jahr sagt Cohen einen Anstieg der Unternehmensgewinne um acht Prozent voraus.Acht Prozent Ertragswachstum bei zwei Prozent Inflation ergäbe sechs Prozent Realwachstum.Das liege überhalb des historischen Trends.Ihr Kollege Barton Biggs vom Morgan Stanley Dean Witter Discovery hält die Reaktion der Anleger für reichlich übertrieben.Selbst wenn es zu einer Kurskorrektur von bis zu 30 Prozent käme, meint er, sei das alles halb so schlimm.Die wirtschaftlichen Grunddaten stimmten, das heißt mäßiges Wachstum bei wenig Inflation.Biggs glaubt aber, daß zweistellige Ertragssteigerungen vorerst der Vergangenheit angehören.Er rechnet für 1998 mit einen um 10 Prozent geringeren Anstieg der Erträge.Dennoch erwartet Biggs die Fortsetzung des Aktienaufschwungs an der Wall Street.

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