Wirtschaft : Wall will Decaux auszahlen

Der Konkurrent ist auch Gesellschafter: Dessen 35-Prozent-Anteil dürfte über 100 Millionen Euro wert sein

Alfons Frese

Berlin - Hans Wall will vorzeitig seinen ungeliebten Gesellschafter Decaux los werden. „Wir werden am Montag Decaux anbieten, die 35 Prozent Aktien unseres Unternehmens zurückzukaufen“, sagte Wall am Freitag dem Tagesspiegel. Falls sich Decaux nicht darauf einlasse, werde der Anteil spätestens 2008, wie vertraglich vereinbart, erworben. Decaux hat nach eigenen Angaben 57 Millionen Euro für die 35 Prozent bezahlt. Sowohl Decaux als auch Wall gehen davon aus, dass nun mehr als das Doppelte dieses Betrags fällig ist. Da Decaux bislang keine Verkaufsneigung erkennen ließ, wird Wall versuchen, den Franzosen über den Preis zum Ausstieg zu bewegen. Finanzierungsprobleme hat Wall angeblich nicht: „Wir sind ein großer Mittelständler und können in den nächsten Jahren mit Milliardenumsätzen rechnen“, sagte der Firmengründer.

Die Beziehung von Wall zu Decaux ist überaus wechselhaft und erreichte am vergangenen Mittwoch einen Tiefpunkt. Der Aufsichtsrat der Berliner Verkehrsbetriebe BVG beschloss an diesem Tag den Verkauf der BVG-Werbetochter VVR-Berek für 103 Millionen Euro an Decaux. Neben den Franzosen hatte noch Wall geboten, doch das Angebot des Berliner Lokalmatadors lag um 35 Millionen Euro unter dem Gebot von Decaux. Aus Verbitterung über die Entscheidung droht Wall mit dem Umzug der Firmenzentrale nach Hamburg. Dort steht in den kommenden Monaten die nächste Auseinandersetzung mit Decaux an, wenn sich beide Unternehmen sowie der Marktführer Ströer an einer Ausschreibung um die Außenwerbung in der Stadt beteiligen.

Wall sagte am Freitag dem Tagesspiegel, die VVR-Berek-Ausschreibung sei „sehr korrekt“ gewesen. Er kritisiere aber die „Gewichtung der Bewertung“. Nach Walls Angaben wurde zum Beispiel der Kaufpreis im VVR-Berek-Verfahren mit 70 Prozent gewichtet, die übrigen Prozente verteilten sich auf Investitions- und Arbeitsplatzzusagen sowie Innovationen. Wenn aber „der Kaufpreis alles entscheidet, dann ist das eine klare Bevorzugung von Großkonzernen, die immer mehr Geld haben als Mittelständler“, meinte Wall. Für ihn sei „unverständlich“, dass „ein Senat, an dem die PDS beteiligt ist“, als „Steigbügelhalter für Großkonzerne“ fungiere. Wobei doch Mittelständler für Berlin „immer mehr herausholen können als Großkonzerne“, sagte Wall. Er setzte zuletzt 125 Millionen Euro um, Decaux 1,7 Milliarden Euro.

Die Landesbank Berlin hatte vor ein paar Jahren und „über Nacht“, wie Wall sagt, ihren elfprozentigen Wall-Anteil an Decaux verkauft. Wall erwog sogar eine juristische Anfechtung des Deals. Dann normalisierte sich das Verhältnis der beiden Wettbewerber und sie kamen sogar ins Geschäft. Nach Aussage von Wall wollte Decaux Produkte der Berliner in New York aufstellen – falls Decaux dort ins Geschäft kommen würde. Als Gegenleistung erlaubte Wall den Franzosen den Erwerb des 20-prozentigen Wall-Anteils vom US-Konzern Cleanchannel plus ein paar weitere Prozent von Wall junior. Allerdings kam Decaux in New York nicht zum Zuge, hatte aber 35 Prozent an der Wall AG und würde nach eigenen Angaben gerne die Mehrheit übernehmen.

„Niemals“, sagt dazu der Firmengründer. „Eine Partnerschaft ist nicht mehr sinnvoll.“ Decaux wollte sich dazu am Freitag nicht äußern. Man warte erst das Schreiben von Wall ab, das am Montag eintreffen soll. In der Branche wird die Verkaufsneigung von Decaux als gering eingeschätzt, weil der Konzern kein Geld brauche und das Verhältnis zu Wall sich womöglich mittelfristig entspanne.

Im Verhältnis zur Berliner Politik deutet dagegen wenig auf Entspannung hin. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verzichtete gestern auf die Teilnahme an einer für nächsten Mittwoch geplanten Wall-Veranstaltung am Brandenburger Tor. Trotzdem rechnet Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) fest mit dem weiteren Engagement der Wall AG in der Hauptstadtregion. Nach Angaben der Brandenburger Landesregierung ist zumindest die Schließung des Werkes in Velten vom Tisch.

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