Wirtschaft : Wallstreet: Hightech-Rallye beflügelt den Markt

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Eine Gewinnwarnung des Halbleiterherstellers Intel brachte die Anleger am Freitag nicht aus der Ruhe. Der Titel stieg und zog andere Chipwerte mit. Der technologielastige Nasdaq-Index schloss mit einem Plus von 163,36 Punkten oder 5,9 Prozent auf 2917,43. Die Hightech-Rallye beflügelte den Markt insgesamt. So kletterte der 30 Standardwerte umfassende Dow-Jones-Index 95,55 Punkte oder 0,9 Prozent auf 10 712,91 Punkte. Allerdings konnten die Indizes ihre Tageshochs nicht halten.

In der letzten Handelsstunde ahnten die Anleger, dass der oberste Gerichtshof von Florida eine Handauszählung der Stimmen in bestimmten Wahlbezirken anordnen werde - ein Urteil zu Gunsten des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Al Gore. Die Kurse begannen abzubröckeln. Genau um 16 Uhr Ortszeit bei Handelsschluss sprach sich das Gericht in diesem Sinne aus. Die Entscheidung zu Gunsten Gores bedeutet, dass die Börse mit dem belastenden Faktor der Unsicherheit noch eine Weile leben muss. Das könnte eine schwache Eröffnung am Montag zur Folge haben, sagten Händler.

Der Kurssprung bei Intel um 1,69 auf 34 Dollar deute an, dass der Markt Gewinnwarnungen vorweggenommen hat, hieß es. Auch Cisco Systems, Oracle und JDS Uniphase gewannen. IBM und Hewlett-Packard lagen bei den "Blue Chips" vor. Im Wochenvergleich hat sich der Nasdaq um zehn Prozent verbessert, der Dow stieg 3,3 Prozent. Abgeladen wurden Zigaretten-und Pharmatitel, darunter Philip Morris und Merck.

Voller Hoffnung schaut der Markt auf Alan Greenspan. Der allmächtige Chef des Federal Reserve signalisierte am Dienstag niedrigere Zinsen. Die sechs Zinserhöhungen seit Juni 1998 begännen jetzt zu greifen, sagte er. Der Nasdaq kletterte an diesem Tag um 10,5 Prozent. Die Stimmen derjenigen mehren sich, die glauben, dass der Technologiesektor die Talsohle durchschritten hat. Den letzten Beweis für eine Abkühlung des Wachstums brachten die am Freitagvormittag veröffentlichten Arbeitsmarktzahlen. Im November sind weniger neue Stellen entstanden als erwartet, der Lohnkostenanstieg fiel bescheiden aus.

Die Möglichkeit eines Gore-Wahlsiegs sorgte im nachbörslichen Freitagshandel für eine Rallye am Anleihenmarkt. Offensichtlich spekulieren Bond-Investoren, Gore wäre gut für den Anleihenmark, weil er weniger aggressiv für Steuersenkungen eintrete als sein Rivale Bush. Ein größerer Haushaltsüberschuss würde die Bond-Bestände abbauen und möglicherweise höhere Kurse bringen. Die Renditen zehnjähriger US-Bonds fielen auf 5,295 Prozent nach 5,501 Prozent vor einer Woche.

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