Wirtschaft : Walt Disney Company: Unternehmen rettet sich mit Entlassungen

Die Walt Disney Company hat die Auswirkungen der schwachen US-Konjunktur mit Hilfe von Kostensenkungen ausgeglichen und im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2000 / 2001 etwas mehr verdient als von der Wall Street erwartet. Disney hatte die Streichung von 4000 Stellen angekündigt und verspricht sich jährliche Kostenersparnisse von 350 Millionen Dollar (780 Millionen Mark).

Wie das Unternehmen am Donnerstag nach Börsenschluss mitteilte, verdiente der amerikanische Unterhaltungs- und Medienkonzern in dem am 30. Juni beendeten Quartalsabschnitt mit seinen Filmstudios, Freizeitparks und Fernsehoperationen 392 Millionen Dollar gegenüber 361 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz gab geringfügig auf 5,98 Milliarden Dollar nach 6,05 Milliarden Dollar in der entsprechenden Vorjahreszeit.

Disney hat in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres 19,5 (Vorjahr: 19,3) Milliarden Dollar umgesetzt. Die Gesellschaft wies nach Sonderbelastungen einen Verlust von 94 Millionen Dollar aus gegenüber einem Gewinn von 957 Millionen Dollar in den ersten neun Monaten des vergangenen Geschäftsjahres.

"Disneys Gesamtleistung ist angesichts der schwachen Wirtschaft solide", sagte Firmenchef Michael D. Eisner. Er hob das starke Wachstum der Filmstudios hervor. Sie erhöhten mit Filmen wie "Pearl Harbor", "Spy Kids" und "Atlantis" ihren Quartalsumsatz um acht Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar. In den Freizeitparks hat Disney rigorose Kostenkontrolle betrieben und hat damit den Rückgang in den Besucherzahlen weitgehend ausgeglichen. Der Umsatz stagnierte mit 1,9 Milliarden Dollar.

Im Fernseh- und Medienbereich schrumpfte der Umsatz deutlich um sechs Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar, wobei sich bei dem Fernsehsender ABC, den anderen Disney-Fernsehgeschäften und den Rundfunkstationen das schwache Werbeaufkommen und höhere Programmkosten bemerkbar machten.

Die Verbraucherprodukt-Sparte litt unter den schwächeren Umsätzen der Disney-Geschäfte. Der Umsatz fiel um drei Prozent auf 518 Millionen Dollar. Eisner verwies auf den gerade angekündigten Kauf von Fox Family Worldwide mit 81 Millionen Kabel- und Satellitenfernsehkunden für drei Milliarden Dollar in bar. Er hielt sich aber mit Angaben über ein angebliches Kaufinteresse von Disney an der AT & T-Kabelfernsehsparte zurück.

AT & T ist der größte Kabelfernsehsystem-Betreiber der USA und hat ein Kaufangebot der Kabelfernsehfirma Comcast von 44 Milliarden Dollar als unzureichend abgelehnt. Eisner wollte zu den Spekulationen keine Stellung nehmen. Er erklärte lediglich, dass man sicherlich die Augen offen halte.

Vor allem die Kosteneinsparungen bei den Parks und jüngste Filmerfolge sind Analysten zufolge ein Hoffnungsschimmer für die weitere Geschäftsentwicklung von Disney. "Viele Investoren werden aufatmen. Das Ergebnis übertraf wegen der Einsparungen und der Kinofilme die Erwartungen der Analysten", sagte Jeff Logsdon von Gerard Klauer Mattison. Bisher hat der vor einigen Wochen in die deutschen Kinos gekommene Disney-Film "Pearl Harbor" weltweit rund 450 Millionen Dollar eingespielt. Er gilt als einer der teuersten und aufwändigsten Filme aller Zeiten.

Die Aktien von Walt Disney schlossen am Donnerstag an der Wall Street gegen den Markttrend um 0,45 Prozent tiefer bei 26,55 Dollar. Im Frankfurter Handel zogen sie am Freitag aber wieder um mehr als 1,3 Prozent an auf 30,90 Euro. Seit Ende Mai haben die Disney-Papiere im Trend mit den meisten anderen Medienwerten rund 23 Prozent nachgegeben.

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