Wirtschaft : Walter-Bau: Banken gewähren Geldspritze

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Deutschlands zweitgrößter Baukonzern, die Augsburger Walter-Bau-Gruppe, ist in eine schwierige Lage geraten. Nach einem Rekordverlust im Vorjahr hat Walter mit einem Bankenkonsortium gerade einen Kredit von 100 Millionen Euro zur Sicherung der Liquidität vereinbart. Das berichteten die Vorstände Hans-Joachim Wolff und Hanns-Bert Mundorf am Freitag in München. Die Liquiditätshilfe reiche bis Ende 2003 und sei an Bedingungen geknüpft, die Walter Bau noch nicht voll erfüllt habe. Dennoch rechnen die Vorstände mit einer Auszahlung "in wenigen Wochen".

Aber auch ohne diese Finanzspritze bestehe keine Insolvenzgefahr, sagte Mundorf. "Wir sehen keine Parallele zu Holzmann", betonte Wolff. Am Bankenpool beteiligt sei die Bayerische Landesbank, die auch gut ein Zehntel der Firmenanteile hält. Notfalls könne das Unternehmen Beteiligungen verkaufen, wie den knapp 49-prozentigen Anteil am Stuttgarter Baukonzern Ed. Züblin AG, hieß es.

Die Walter Bau AG wurde 2001 mit ihrem Schwesterkonzern Dywidag fusioniert. Das führte zu einem Rekordverlust im Konzern von 231 Millionen Euro, 166 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Begründet wird dieser Anstieg vor allem mit den Kosten der Fusion. Ohne Sondereffekte belief sich der Verlust nach Vorstandsangaben auf 70 Millionen Euro und lag damit nur wenig über dem Vorjahresbetrag.

Die flüssigen Mittel sind laut Mundorf im vergangenen Jahr unter dem Druck der Verluste von 568 auf 260 Millionen Euro und das Eigenkapital von 299 auf 175 Millionen Euro geschmolzen. Derzeit hat Walter Bau gut 230 Millionen Euro Bankschulden. Den für dieses Jahr noch zur Verfügung stehenden finanziellen Spielraum bezifferte Finanzchef Mundorf inklusive des neuen Kredits auf rund 270 Millionen Euro. Operativ werde es in diesem Geschäftsjahr nochmals zu "überschaubaren roten Zahlen" kommen, sagte Wolff auf Nachfrage. Auf jedem Fall wird weiter Personal reduziert. Den ohnehin geplanten Stellenabbau habe man erneut "nachgeschnitten", sagte Wolff. Statt 2600 Stellen sollen jetzt 3300 Arbeitsplätze wegfallen. Der Konzern will damit bis Ende diesen Jahres auf rund 13 000 Beschäftigte kommen.

Kritik von Kleinaktionären, die Fusion der beiden zum Imperium des Bauunternehmers Ignaz Walter zählenden Konzerne Walter Bau und Dywidag sei in Wahrheit eine Sanierung maroder Strukturen gewesen, wies das Management erneut zurück. Im Zuge der Fusion ist die Bauleistung bereits von 4,4 auf 3,9 Milliarden Euro geschrumpft, dieses Jahr geht sie weiter auf 3,8 Milliarden Euro zurück. Eine Belebung der Baukonjunktur in Deutschland wird nicht vor 2003 erwartet. Wolff will 3,8 Milliarden Euro erreichen, obwohl im ersten Quartal 2002 nur eine Bauleistung von 673 Millionen Euro erzielt wurde. Da Walter Bau bei den Aufträgen "entscheidend aufgeräumt" habe, rechnet der Vorstand mit besseren Ergebnissen. Denn für die dicken roten Zahlen des Vorjahres waren auch einige Verlustbaustellen verantwortlich.

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