Wirtschaft : Walter Bau verklagt Bilfinger Berger

Baukonzern wirft Konkurrenz unlauteren Wettbewerb vor/Walter-Bau-Käufer Strabag will Schadensersatz

N.Huss

München/Wien - Eine Tochter des insolventen Walter Bau-Konzerns hat beim Landgericht München eine Einstweilige Verfügung gegen den Konkurrenten Bilfinger Berger wegen unlauteren Wettbewerbs erwirkt. Die Walter Heilit Verkehrswegebau will verhindern, dass bis zu 20 leitende Angestellte bei Bilfinger Berger beschäftigt werden dürfen, die der zweitgrößte deutsche Baukonzern angeblich abgeworben hat.

Die profitable Straßenbautochter, die große Straßen- und Schienenprojekte ausführt und eine jährliche Bauleistung von etwa 500 Millionen Euro erbringt, wurde im Februar als eines von vier Kernstücken von Walter Bau von der österreichischen Strabag übernommen. Auch Bilfinger Berger hatte sich für den Kauf von Walter Heilit interessiert.

Strabag-Vorstandschef Hans Peter Haselsteiner sagte in einem Handelsblatt-Interview, er werde „Schadensersatz von allen Beteiligten verlangen: Bilfinger Berger, deren Berater Alexander von Wilcken und die abgeworbenen Mitarbeiter werden Post von mir bekommen“. Ihr Verhalten sei „unseriös und ethisch nicht akzeptabel“. Branchenkreisen zufolge war der ehemalige Walter Bau-Manager von Wilcken bei der Abwerbeaktion behilflich, der inzwischen einen Beratervertrag bei Bilfinger Berger hat. „Bilfinger Berger hat generalstabsmäßig und im großen Stil versucht, Personal von uns abzuwerben“, sagte Walter Bau-Sprecher Alexander Görbing dem Tagesspiegel am Donnerstag. Es gebe den Verdacht, dass der Mannheimer Konkurrent noch weitaus mehr Fachkräfte habe abziehen wollen. „Mit der Klage versuchen wir dem einen Riegel vorzuschieben“, sagte Görbing. Bilfinger Berger wehrt sich gegen die Vorwürfe. Etliche Führungskräfte von Walter Heilit seien von sich aus auf das Unternehmen zugekommen, weil ihnen die Zukunft bei Walter Bau ungewiss erschienen sei, heißt es bei dem Baukonzern.

Strabag-Chef Haselsteiner sagte dem Handelsblatt weiter, die Chancen für eine Aufstockung der Anteile an dem Stuttgarter Bauunternehmen Züblin stünden „50 zu 50“. Seit der Übernahme von Walter-Bau-Teilen sind die Österreicher mit 4,9 Prozent an Züblin beteiligt. Mit dem Kauf des 48-Prozent-Pakets der Bayerischen Landesbank würde Strabag die führende Position in Deutschland ausbauen. „Züblin macht für uns Sinn, eine geradezu ideale Ergänzung“, sagte Haselsteiner. Strabag habe ein Vorkaufsrecht, ein tragfähiges Konzept vorgelegt und einen fairen Preis geboten, der mit 58 Millionen Euro aber am unteren Ende des Preisbandes liege. „Wenn das nicht genug ist, bitteschön: Dann müssen wir darüber reden“, sagte der Strabag-Chef.

Mit Blick auf den Standort Deutschland und die hiesige Baukrise hofft Haselsteiner, „dass die größte europäische Volkswirtschaft nach 2006 wieder Fahrt aufnimmt“. Strabag habe bis dahin Luft, „so lange wir in Deutschland wie derzeit ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen“. Das drücke zwar die Konzernrendite, „ist aber eine strategische Investition in die Zukunft“. „Besonders beim Verkehrswegebau ist nicht zuletzt durch die Einführung der Maut Besserung in Sicht“, so der Strabag-Chef. /mwb/oli (HB)

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