Walter Müller : "Berlin ist eine Hochburg für Mercedes"

Walter Müller, Direktor von Mercedes-Benz Berlin, spricht mit dem Tagesspiegel über ein schwieriges Autojahr, gute Geschäftskunden und Entertainment.

Mueller Foto: Mike Wolff
Walter Müller konnte den Marktanteil des Autoherstellers in Berlin im Jahr 2007 ausbauen. -Foto: Mike Wolff

Herr Müller, wie war das Autojahr 2007?

Insgesamt sehr erfolgreich. Wir werden das Ergebnis des Rekordjahres 2006 wiederholen. Die Berliner fahren gerne Auto, sie fahren auch gerne große Autos, und sie fahren besonders gern Mercedes-Pkw, -Lkw und -Transporter. Nahezu jeder achte in Berlin neu zugelassene Pkw ist ein Mercedes, jeder dritte Transporter und jeder zweite Lkw. Bei den Geschäftsleuten ist der Aufschwung angekommen.

Bei den Privatkunden auch?

Nein, da ist die Situation deutlich schwieriger. Die Kaufzurückhaltung ist in Berlin so groß wie im gesamten Bundesgebiet. Das hat viele bekannte Gründe, wie die vorgezogenen Käufe aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung, die CO2-Debatte und die damit verbundene Verunsicherung des Verbrauchers, den hohen Ölpreis und viele andere Kostensteigerungen, die gerade Privatpersonen besonders stark betreffen.

21 000 neue und gebrauchte Pkw hat Mercedes 2006 verkauft, einschließlich Nutzfahrzeugen, Chrysler, Jeep und Smart waren es 30 000. Wie viele werden es 2007?

Auch 2007 werden wir im Gesamtfahrzeugabsatz das Rekordniveau 2006 erreichen. Die hervorragende Lkw- und Transporterkonjunktur bei Neu- wie bei Gebrauchtfahrzeugen wird das etwas schwächere Pkw-Geschäft kompensieren.

Wie geht es dem Smart?

Wir sind nach Rom Europas Smart-Hauptstadt Nummer zwei. Der Marktanteil liegt in Berlin doppelt so hoch wie im Schnitt der Bundesrepublik. Wir werden durch die Modelleinführung des neuen Smart Fortwo – obwohl der Roadster und der Forfour ausgelaufen sind – die Stückzahl des Vorjahres erreichen.

Audi und BMW investieren massiv in Berlin, Weller und Kroyman haben große Autohäuser eröffnet. Wird der Wettbewerb für den Marktführer härter?

Viel Feind, viel Ehr, sagt der Volksmund. Aber es stimmt, der Kampf um den Kunden ist eindeutig härter geworden. Berlin ist trotzdem eine Hochburg für Mercedes.

Haben Sie keine Marktanteile verloren?

Nein, im Gegenteil. Wie die Ergebnisse des Kraftfahrtbundesamtes in den ersten zehn Monaten des Jahres zeigen, haben wir erneut deutlich hinzugewonnen. Die neuesten Marktanteilszahlen in der Pkw- Vergleichsklasse von Oktober zeigen, dass wir unser Rekordergebnis von 2006 nochmals übertreffen. 2007 haben wir per Oktober eine Marktanteilssteigerung von 1,3 Prozentpunkten erzielt. Traditionell belebt sich außerdem im November und Dezember unser Geschäft, was wir auch in diesem Jahr feststellen. Aber, offen gesagt, für Marktanteile kann man sich nichts kaufen. Es kommt auf den Ergebnisbeitrag an, der mit den verkauften Automobilen erzielt wird. Dies zieht das wichtige After-Sales-Geschäft nach sich.

BMW wird rund 80 Millionen Euro in eine neue Hauptstadtniederlassung investieren, die im Jahr 2010 eröffnet werden soll. Sieht Mercedes dann in Berlin nicht ein wenig alt aus?

Nach einhelligem Expertenurteil ist die Mercedes-Welt am Salzufer heute noch der Maßstab, an dem sich alle anderen messen müssen. Deshalb sehen wir die Entwicklungen sehr selbstbewusst. Außerdem gilt: Ein Haus allein macht noch keinen Markenauftritt. Es bedarf einer sehr professionellen Organisation, bestens ausgebildeter Mitarbeiter und vieler guter Ideen, um aus einem Autohaus ein Erlebnis- und Markencenter zu machen.

Je besser das Entertainment, desto besser der Autoverkauf?

Auch ein gutes Entertainment gehört dazu. Genau so wichtig ist es, die Interessen und Bedürfnisse der Zielgruppe zu erkennen und entsprechend zu bedienen. Das heißt zum Beispiel auch, flächendeckend in maximal 20 Minuten erreichbar zu sein. Es gibt keinen anderen Autohersteller, der in Berlin so gut aufgestellt ist wie Mercedes. Und wo es weiße Flecken gibt, da werden wir nachbessern.

Zum Beispiel?

Ein wichtiger Entwicklungsschwerpunkt ist sicher der Südosten der Stadt im Umfeld des Flughafens BBI. Auf diese Herausforderung werden wir sowohl im Pkw- als auch im Nutzfahrzeuggeschäft die richtige Antwort finden.

Investieren Sie?

Wir werden in Kürze sehr konkret darüber Auskunft geben.

Vor zehn Jahren hat sich die Mercedes-Niederlassung in Berlin neu aufgestellt. Was hat sich seitdem im Autogeschäft am meisten verändert?

Die Kunden sind zu Recht anspruchsvoller geworden. Ihr Informationsverhalten, Qualitätsbewusstsein, auch ihre Preissensibilität haben deutlich zugenommen. Andererseits sind für uns Dienstleistungsorientierung, Service rund um die Uhr, effiziente kundenfreundliche Prozesse im After-Sales-Geschäft auf einem ganz anderen Level als vor zehn Jahren. Immer noch gefragt ist gutes Handwerk. Heute wie damals ganz wichtig: Das Team macht den Unterschied. Wir bilden jedes Jahr mehr als 120 Lehrlinge aus. 800 unserer gut 1500 Mitarbeiter haben wir in den vergangenen zehn Jahren aus- und weitergebildet und in unseren Standorten integriert.

Das Gespräch führte Henrik Mortsiefer

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