Wirtschaft : Wann wird das Baugeld wieder teurer?

SIBYLLE HACKEBEIL

Oskar Lafontaine ist nicht mehr Finanzminister, und die Europäische Kommission ist kopflos.Was die Börse zeitweise in Wallung brachte, hatte - bislang zumindest - kaum Auswirkungen auf die Zinsen.Dennoch: Die Rendite langfristiger Staatsanleihen liegt derzeit um etwa 40 Basispunkte über dem bisherigen Tiefststand Ende Januar.Spekulationen über Zinserhöhungen in den USA, die das stürmische Wachstum der US-Konkunktur dämpfen könnten, lassen die Frage aufkommen, wie lange die Zeiten niedriger Zinsen hierzulande noch andauern können.Die Stimmen mehren sich, die von einer baldigen Zinswende sprechen.

Noch befinden sich die Sätze freilich nach einem kurzen Ausflug ins Plus Ende Februar auf einem historischen Tiefststand.Gute Nachrichten vor allem für Häuslebauer: 4,08 Prozent Effektivzins lautete diese Woche das günstigste Angebot für einen fünfjährigen Hypothekenkredit bei der HID GmbH.Das teuerste Angebot legte die Deutsche Genossenschafts- und Hypothekenbank mit 4,81 Prozent effektiv vor.Damit sind die Zinsen im dritten Jahr in Folge auf einem Rekordtief.Tiefer, so heißt es in Expertenkreisen, könnten die Zinsen eigentlich nicht mehr sinken.Doch ob die Wende eingestzt hat, darüber scheiden sich die Geister."Wir befinden uns in einem Konsolidierungsprozeß", erläutert Dieter Claus, Bankdirektor der volkswirtschaftlichen Abteilung der NordLB in Hannover.Selbst wenn in den USA die Zinsen etwas steigen sollten, werde sich dies aufgrund der schwachen europäischen Konjunktur kaum auf die europäischen Zinsen auswirken.Im Moment sei keine potentielle Störquelle auszumachen, die die Zinslandschaft in Deutschland in Bewegung bringen könnte.

Trotz politischer Turbulenzen gilt Euroland als ruhiger Hafen.Die Nachwirkungen der Krisen in Rußland, Brasilien und Japan ziehen institutionelle Anleger auf die sicheren Kapitalmärkte, und zu denen gehört die Europäische Union nach wie vor.Und die Flucht in deutsche Pfandbriefe drückt die Zinsen, zu denen sich die Hypothekenbanken am Kapitalmarkt finanzieren."Angesichts der niedrigen Inflationsrate und der schwachen Konjunktur ist eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank wahrscheinlicher als eine Erhöhung", so Claus.Eine Zinssenkung erwartet auch José Calderon, Pressesprecher der Deutschen Hypothekenbank Hannover-Berlin.Er rechnet mit einen Pfandbriefeinstandssatz von 4,1 Prozent.

Spätestens in der zweiten Jahreshälfte werde sich diese Entwicklung allerdings umkehren, glaubt Franz Josef Arndt vom Verband deutscher Hypothekenbanken."Wir fangen langsam an, uns aus der Zinstalsohle zu bewegen", so Arndt.Dies geschieht langsam, Beobachter erwarten in den nächsten drei Monaten maximale Ausschläge von 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte - nach oben und unten.Damit sinkt die Attraktivität von Bereitstellungskrediten, die dem Kreditnehmer günstige Zinskonditionen in der Zukunft garantieren.Die Aufschläge, die dabei fällig werden, bewegen sich etwa bei der Deutschen Genossenschafts- und Hypothekenbank zwischen 0,04 und 1,01 Prozent.

Geht man, wie die meisten Analysten, von einem relativ konstanten Zinsniveau aus, dann lohnt sich diese Absicherung kaum.Wer in den nächsten fünf Monaten bauen möchte, der ist nach Ansicht der Deutschen Genossenschafts- und Hypothekenbank besser beraten, abzuwarten und die Märkte zu beobachten.Anders Hubertus Primus, Chefredakteur der Zeitschrift "Finanztest".Er rät potentiellen Häuslebauern jetzt, sich ihren günstigen Baukredit in der Zukunft zu sichern: "Das ist der ideale Zeitpunkt zum Bausparen.Bei den niedrigen Zinsen gibt es kaum vergleichbare Geldanlagen, die attraktivere Zinsen bieten, der günstige Kredit aber ist künftig ein klarer Vorteil."

Wer ohne Bausparvertrag finanzieren will, der erhält inzwischen bei einem Zehn-Jahresvertrag Konditionen zwischen 4,82 Prozent und 5,43 Prozent Effektivzins.Für Finanzexperte Primus ein klarer Fall: Wer bauen will, der sollte das umgehend in Angriff nehmen.Nach unten würden sich die Zinsen kaum noch bewegen, und spätestens Ende des Jahres sei die Trendwende da.Auch wenn diese voraussichtlich sehr moderat ausfallen wird: Die Nord/LB erwartet einen Zinsanstieg von gerade einmal 0,5 Prozentpunkten.

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