• War es die Commerzbank, die das Finanzierungskonzept gekippt hat? Der Streit um die Rolle der Banken ist entbrannt

Wirtschaft : War es die Commerzbank, die das Finanzierungskonzept gekippt hat? Der Streit um die Rolle der Banken ist entbrannt

Rolf Obertreis

Am Schluss sollen nicht nur 150 Millionen Mark gefehlt haben, es soll sogar eine halbe Milliarde Mark gewesen sein. Über die Finanzierung von rund 2,8 Milliarden Mark zur Rettung des Baukonzerns sollen sich die rund 100 Bankenvertreter bei ihrem Verhandlungsmarathon im Nobelhotel Frankfurter Hof einig gewesen sein. Doch, dann so heißt es in Bankenkreisen, hätten sich die Vertreter der Commerzbank nicht weiter bewegt. "Dass hat das Fass zum Überlaufen gebracht", sagt ein Insider.

Carl von Boehm-Bezing, Aufsichtsratschef des Bauriesen und Mitglied des Deutsche Bank-Vorstandes, deutete morgens um halb sieben ähnliches an. Er hätte sich von der Commerzbank mehr Flexibilität gewünscht, sagte der Banker. Er kritisierte auch die Kollegen von der Frankfurter Sparkasse, lobte im Gegenzug aber die HypoVereinsbank, die Nummer zwei unter den Gläubigerbanken. Auch andere der insgesamt 20 Banken, die 15 Stunden lang um die Zukunft von Holzmann, aber vor allem um ihr Geld rangen, sollen einen positiven Ausgang blockiert haben.

Commerzbank-Sprecher Dieter Schütz weist die Anschuldigungen der Deutschen Bank entschieden zurück. "Solche Äußerungen sind eine Diffamierung. Wir haben uns bewegt". Am Schluss aber zu wenig, sagen andere, die davon nicht überrascht sind, nachdem sich Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen schon vor der Verhandlungsrunde skeptisch gezeigt hatte. "Trotz allem ist aber nicht richtig, der Commerzbank den Schwarzen Peter zuzuschieben". Auch drei andere Banken wollten nicht mehr mitziehen.

Klare Lager oder eine Blockbildung gab es in den Gesprächen nicht. Noch vergangene Woche hatte es geheißen, die Trennungslinie verlaufe im Prinzip zwischen privaten Banken und den öffentlichen Landesbanken. Aber schon da war diese Linie löchrig, in der Nacht zum Montag war sie völlig aufgelöst. Einige private Banken bewegten sich gemeinsam mit öffentlichen Häusern zum Teil deutlich nach vorne, andere Institute aus beiden Lagern machten ebenso deutliche Rückzieher.

Nur der Branchenprimus, die Deutsche Bank, legte am Schluss die Karten auf den Tisch. Um den Gang zum Konkursrichter zu verhindern, wollten die Deutsch-Banker für Holzmann insgesamt 1,5 Milliarden Mark und damit rund 40 Prozent der erforderlichen 3,3 Milliarden Mark bereitstellen. Knapp 40 Prozent der Kapitalerhöhung von rund 1,2 Milliarden Mark wollte die Deutsche Bank schultern, 810 Millionen Mark frische Kredite besteuern und für Außenstände bei Holzmann in Höhe von 400 Millionen Mark außerdem einen Rangrücktritt akzeptieren. Was faktisch einem Verzicht gleichkommt.

"Die Deutsche Bank hat sich bewegt. Die wollten Holzmann nicht den Todesstoß geben", sagt ein Banker. "Letzte Woche waren sie noch stur wie ein Panzer". Auch andere Häuser waren bereit, mehr zu geben. Dem Vernehmen nach etwa die Landesbank Hessen-Thüringen, die Nummer vier der Gläubiger. Sie wollte angeblich bei all ihren offenen Barkrediten für Holzmann zurücktreten und sich an der Kapitalaufstockung überproportional beteiligen.

Aber andere Häuser verweigerten sich. "Die kleineren Banken waren das Problem", heißt es in Frankfurt. Manche dieser Herren hätten in der Verhandlungsrunde durchblicken lassen, dass ein Konkurs von Holzmann für die "übersetzte" Baubranche durchaus hilfreich sei. Aber die meisten sollen triftige Gründe angeführt haben: Bei der Commerzbank etwa rief Holzmann noch am Freitag der vorvergangenen Woche, als die Probleme längst bekannt waren, einen 50 Millionen- Kredit ab.

Bei der Landesbank Baden-Württemberg soll man sauer sein, weil man sich erst im Sommer im Vertrauen auf die angebliche gute Lage des Unternehmens beim Baukonzern Philipp Holzmann engagiert hat. "Viele Banken haben kein Vertrauen mehr zu Vorstandschef Binder". Und viele der kleineren Banken sind natürlich auch deshalb sauer, weil doch einiges dafür spricht, dass dem Holzmann-Management und möglicherweise auch der Deutschen Bank schon länger klar war, das sich in der Bilanz noch ein Riesenloch auftut.

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