Wirtschaft : Warburg-Experte Holger Struck über die Vorteile der technische Aktienanalyse

Herr Struck[muss man die Methoden der Charttechni]

Holger Struck ist beim Bankhaus M.M. Warburg in der Vermögensbetreuung für die technisch-quantitative Investmentstrategie verantwortlich. Mit ihm sprach Henrik Mortsiefer.

Herr Struck, muss man die Methoden der Charttechniker verstehen, wenn man Aktien kauft?

Die technische Aktienanalyse ist kein Königsweg, um an der Börse erfolgreich zu sein. Sie ist eine mögliche und sehr wertvolle Methode, um die Kurse zu analysieren und Voraussagen über ihren Verlauf in der Zukunft zu treffen.

Was macht die Charttechnik so wertvoll?

Die technische Analyse orientiert sich ausschließlich daran, was der Markt macht, also etwa an Aktienumsätzen und Kursen. Sie interpretiert nicht, sondern sie beschreibt. Als deskriptive Methode liefert sie die beste Bestandsaufnahme des Status Quo.

Charttechniker sammeln Daten aus der Vergangenheit und schreiben sie in die Zukunft fort. Funktioniert die technische Analyse nur, wenn sich die Vergangenheit wiederholt?

Schlussfolgerungen aus der Vergangenheit zieht auch die Fundamental-Analyse, die sich mit den Gewinnen und Bilanzen der Unternehmen beschäftigt. Der Zusammenhang von Zinsen und Aktienkursen oder Gewinnen und Kursen schreibt ja auch nur eine Erfahrung fort. Aber natürlich verschiebt sich am Markt immer mal etwas, so dass Prognosen revidiert werden müssen. Die Charttechniker gewichten die Anhaltspunkte aus der Historie höher als die Fundamentalisten.

Ist die Methode universell anwendbar, also auf Aktien, Renten oder Fondsanteile?

Ja. Die Methode ist unabhängig vom Gegenstand des Handels und der Marktteilnehmer anwendbar. Es müssen nur Kurse zustande kommen, und ausreichende Daten verfügbar sein. Das müssen übrigens nicht nur sekundenschnell einlaufende Real-Time-Kurse sein. Wir können auch auf der Basis eines täglichen Kurses Prognosen formulieren.

Können Sie auch Aussagen über Neuemissione und junge Unternehmen treffen, die gerade erst an die Börse gegangen sind?

Bei Börsenpremieren würde ich mich erst nach drei Monaten zu einer charttechnischen Aussage hinreißen lassen. Mit technischen Prognosen für Neuemissionen ist das so eine Sache. Das gilt übrigens auch für die vielen Allzeithochs, die wir zurzeit erleben. Da stoßen Indizes und Kurse in ganz neue Dimensionen vor. Das ist auch für die Charttechniker Neuland.

Welchen Anlegern würden Sie empfehlen, Techniken der Chartisten anzuwenden?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Es gibt sehr differenzierte Anlegerprofile. Charttechnik ist auch nicht nur etwas für professionelle oder institutionelle Anleger. Allerdings sollten private Anleger schon einiges Wissen über die Disziplin mitbringen. Und Zeit, denn die charttechnische Analyse auf der Grundlage etwa von Real-Time-Kursen ist ein Vollzeit-Job.

Wo sehen Sie die größte Schwäche der technischen Analyse?

Die größte Gefahr liegt im blinden Vertrauen auf altbewährte Methoden, die durch unerwartete Entwicklungen überholt werden. Das erleben wir zum Beispiel bei Unternehmen, die rote Zahlen schreiben, deren Kurs aber trotzdem steigt. Oder wenn Aktien trotz eines Kaufsignals weiter fallen. Spätenstens dann sollten Chartisten ihre Systeme hinterfragen und ihre Verlässlichkeit überprüfen.

Wie berücksichtigt die Charttechnik eigentlich Erwartungen und Fantasien der Anleger, die etwa die Technologie- und Internet-Werte in die Höhe getrieben haben?

Erwartungen und Fantasien schlagen sich - wenn sie für die Aktie relevant sind - in den Kursen nieder. Damit haben technische Analysten die notwendigen Daten in der Hand. Aber: Auch wenn nichts zu sehen ist, ist das für uns eine Information.

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