Warenhäuser : Berggruen will Karstadt-Hilfe erzwingen

Karstadt-Investor Nicolas Berggruen verkündet eine einseitige Einigung im Streit um die Warenhausmieten. Das Vermieterkonsortium Highstreet reagiert verärgert auf den Vorstoß.

David C. Lerch
Weiter Tauziehen um Karstadt.
Weiter Tauziehen um Karstadt.Foto: dpa

Der Nervenkrieg um Karstadt geht in die nächste Runde: Nicolas Berggruen, designierter neuer Herr über die Warenhäuser, will wenige Tage vor Ablauf der entscheidenden Frist eine Einigung im Streit um einen Mietnachlass offenbar erzwingen. Ohne Absprache mit dem Vermieterkonsortium Highstreet verkündete Berggruen am Dienstag eine Lösung, die in der Nacht zuvor wohl mit der Vermittlung von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und der stellvertretenden Verdi-Chefin Margret Mönig-Raane in Aachen zustande kam. Doch der deutsch-amerikanische Investor einigte sich nur mit der Essener Valovis-Bank, die Highstreet für den Kauf von 36 der insgesamt 120 Warenhäuser im Jahr 2006 rund 850 Millionen Euro als Kredit zur Verfügung stellte. Und der Mietnachlass wird nur gültig, wenn Highstreet den eigentlich bis 2014 laufenden Kredit vorzeitig zurückbezahlt.

Die Gewerkschaft Verdi appellierte an beide Parteien, die rund 25 000 Arbeitsplätze bei Karstadt nicht zu gefährden. „Highstreet und Berggruen müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein“, sagte ein Sprecher. In Berlin betreibt Karstadt zwölf Filialen mit rund 3300 Mitarbeitern, darunter auch das KaDeWe.

Das Lager der Vermieter reagierte verärgert auf den von Berggruen und Valovis erzielten Kompromiss. „Es wurde einmal mehr eine Einigung verkündet, die keine ist“, sagte Highstreet-Sprecher Richard Speich. „Berggruen hat uns den Schwarzen Peter zugeschoben.“ Im Vorfeld der Gespräche zwischen Valovis und Berggruen war in Kreisen der Großbanken Goldman Sachs und Deutsche Bank, die hinter dem Vermieterkonsortium stehen, die Bereitschaft signalisiert worden, bei einer Einigung mit Valovis ebenfalls zuzustimmen. Doch die neue Finanzierungslücke ändert das grundlegend.

Ob und wie Highstreet die 850 Millionen Euro aufbringen wird, ist unklar. Berggruen kündigte am Dienstag zwar an, dass es für die vorzeitige Ablösung des Kredits zu einem „sachgerechten Risikoausgleich“ zwischen Highstreet und Karstadt kommen soll. Wie viel er selbst dazu beiträgt, bleibt bisher offen. An der Kreditsumme von 850 Millionen Euro beteiligt sich der milliardenschwere Investor nicht. „Seine Kreditgeschäfte muss Highstreet selbst managen“, erklärte Berggruens Sprecher, Wolfgang Weber-Thedy, am Dienstag dem Tagesspiegel.

Den Verhandlungspartnern läuft die Zeit davon. Sollte sich Berggruen mit den Karstadt-Vermietern nicht bis Donnerstag geeinigt haben, droht das Essener Amtsgericht, dem Insolvenzplan für die Warenhauskette die Zustimmung zu verweigern. Zwar gehen sowohl Berggruen als auch Highstreet inzwischen von einer Fristverlängerung bis zum 30. Juli aus. Doch diese wird das Gericht, das in den vergangenen Monaten die endgültige Entscheidung bereits mehrfach verschoben hatte, wohl nur gewähren, wenn eine grundsätzliche Einigung in Sicht ist. Danach sieht es nach dem Vorpreschen von Berggruen nicht unbedingt aus.

Bei den Vermietern, denen 86 der insgesamt 120 der Karstadt-Häuser gehören, stört man sich besonders an dem öffentlichen Auftritt Berggruens, der sich wiederholt als Retter der Traditionsmarke präsentiert, ohne alle Details geklärt zu haben. Zudem verweist man auf die Einbußen, denen die Vermieter im Lauf der langen Verhandlungen bereits zugestimmt haben. „Die Einbußen des Highstreet- Konsortiums sind wesentlich höher als die von Herrn Berggruen“, sagte Speich.

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