Warenhäuser : Milliardär interessiert sich für Kaufhof

Schon vor zwei Jahren wollte Metro die Kaufhof-Warenhäuser loswerden. Nun versucht es der Konzern erneut. Einer der Interessenten setzt auf eine schnelle Entscheidung.

Düsseldorf - Mit dem Verkauf der Warenhaustochter Kaufhof gebe es keine Eile, ließ Metro-Chef Eckhard Cordes am vergangenen Mittwoch seine Aktionäre wissen. Dann fügte er hinzu: „Wir sind derzeit nicht in konkreten Preisverhandlungen mit irgendeiner Partei.“ Das aber könnte sich schneller ändern, als Cordes den Anschein erweckt. In den Verkaufsprozess hat sich ein Investor eingeschaltet, der bei Handels- und Bankenvorständen mehrfach für Atemnot gesorgt hat: Clemens Vedder (63).

Der gebürtige Kölner, der vorzugsweise in der Schweiz und in Florida residiert, hätte vor zehn Jahren mit der Investorengruppe Cobra beinahe die Commerzbank zu einer Fusion mit der Dresdner Bank gedrängt. Nur der massive Widerstand des Managements stoppte den damaligen Großaktionär. Seine Millionen verdiente er, als er 1997 den Handelskonzern Spar für 1,2 Milliarden Mark an die französische ITM Intermarché verkaufte. Nur zwei Jahre zuvor hatte er 75 Prozent an der Supermarktkette zum Schnäppchenpreis von 200 Millionen Mark erworben.

„Metro hat den Datenraum geöffnet, und wir schauen uns Kaufhof an“, sagte Vedder nun dem „Handelsblatt“. Nach seinen Vorstellungen könnte der Deal in einigen Wochen über die Bühne gehen. Man werde die mögliche Übernahme „unter europäischen Bedingungen“ prüfen, sagte er. Worauf der Finanzinvestor anspielt: Der italienische Warenhausbetreiber Maurizio Borletti hatte in der Vergangenheit auch immer wieder Interesse am Erwerb von Kaufhof und Karstadt signalisiert. Borletti, der zu den Vermietern des insolventen Karstadt-Konzerns gehört, zählt gleichzeitig zu den Eigentümern der französischen Warenhauskette Printemps und des italienischen Wettbewerbers La Rinascente.

Dem „Handelsblatt“ sagte Vedder, dass er Kaufhof keineswegs im Zuge eines „Leverage-Buy-outs“ übernehmen wolle. Einen solchen Erwerb, bei dem bis zu 90 Prozent der Finanzierung durch Kredite sichergestellt werden, habe es bei ihm in der Vergangenheit nie gegeben – wobei der Finanzinvestor seit 1987 immerhin 14 Unternehmen mit einer Gesamtsumme von 7,5 Milliarden Euro übernahm.

Auch für den Kaufhof-Deal will er Fremdmittel maximal in doppelter Höhe seines Eigenkapitals einsetzen. Einen Finanzpartner habe er allerdings noch nicht gefunden. Die Eigenmittel dagegen dürften aus dem Blacksmith Fund mit Sitz auf den Cayman Islands fließen. Der Hedgefonds untersteht der von Vedder 2007 initiierten Goldsmith Group und kann nach Auskunft des Finanzinvestors kurzfristig hohe Summen auftreiben. Erst vor kurzem erzählte er dem „Handelsblatt“, dass er bereits 2009 Zusagen über ein bis drei Milliarden Euro von Investoren erhalten habe, die jedoch nicht abgerufen wurden. Metro-Chef Cordes verlangt zwischen zwei und drei Milliarden für die Warenhauskette. Analysten wie Commerzbank-Handelsexperte Jürgen Elfers halten die Preisvorstellungen für realistisch. In einer Studie errechnete er für die Metro-Tochter einen Wert von 2,4 Milliarden Euro, wobei er die Immobilien mit 1,7 Milliarden taxierte.

Zwar hat Cordes, wie bereits bei dem ersten Verkaufsversuch vor knapp zwei Jahren, die Investmentbank JP Morgan mit dem Bieterverfahren mandatiert. Vedder aber spricht nach eigener Darstellung mit Metro selbst. Allein im Rennen ist er nicht. Auch der New Yorker Finanzinvestor Blackstone erwägt die Übernahme. Für solche Finanzinvestoren kennt Vedder, der seine Ausbildung bei Hertie startete, allenfalls Häme. „Nur weil einer unfallfrei eine Packung Tempo-Taschentücher kaufen kann“, ätzt er, „versteht er noch lange nichts vom Handel“. HB

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