Wirtschaft : Warmer Winter verhagelt erste Gasag-Bilanz nach Privatisierung

Der bisherige Aufsichtsrats-Chef Kauermann bleibt noch mehrere Monate im Amt BERLIN (hjk).Drei Tage nach der endgültigen Privatisierung der Gasag an Gaz de France und Bewag mußte der Gasag-Vorstand dem Aufsichtsrat am Donnerstag eine unangenehme Mitteilung machen: Aufgrund des lauen Winters fiel 1997 der Verlust deutlich höher und der Umsatz viel niedriger aus als erhofft.Der kühne Plan der neuen Mehrheitsaktionäre, den hoch verschuldeten Gasversorger in möglichst kurzer Zeit zu einem wettbewerbsfähigen Unternehmen zu machen, ist nun noch schwieriger umzusetzen.Die Gasag gilt seit Jahren als Sanierungsfall.Umso erstaunter waren die Experten, nachdem es dem Berliner Senat gelungen war, die zum Verkauf stehende 51,2-Prozent-Beteiligung des Landes für stattliche 1,4 Mrd.DM abzugeben.Der heftige Wettbewerb dreier Bieterkonsortien hatte den Preis derart in die Höhe getrieben.Jetzt müssen die Käufer Gaz de France und Bewag sehen, wie der "strategische Preis" in den nächsten Jahren erwirtschaftet werden kann.Die Skepsis, daß dies in dem geplanten Zeitraum gelingt, und ob es tatsächlich zu einer kontinuierlichen Senkung des Gaspreises kommen kann, ist weit verbreitet.Neue Nahrung hat diese Skepsis am gestrigen Donnerstag bei der ersten Gasag-Aufsichtsratssitzung, die nach der feierlichen Übergabe des Aktienpakets am letzten Dienstag stattfand, erhalten.Denn das Geschäftsergebnis von 1997 fällt spürbar schlechter aus als erwartet, was die Gasag vor allem auf den warmen Winter und damit den verminderten Heizbedarf der Berliner zurückführt.Statt der angepeilten 915 Mill.DM betrug der Umsatz nach Informationen des Tagesspiegels nur 891 Mill.DM, das ist ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr um 84 Mill.DM.Der Verlust konnte nicht, wie geplant, auf 89 Mill.DM begrenzt werden, sondern stieg auf 98 Mill.DM.Mit 37 Mill.DM sollen Vorruhestandsaufwendungen dafür mitverantwortlich sein.Die Zahl der Mitarbeiter betrug Ende des Jahres noch 2750, obwohl ursprünglich ein Personalabbau auf 2632 geplant war.Statt roter Zahlen in Höhe von etwa elf Prozent des Umsatzes, wie sie die Gasag jetzt für 1997 aufweist, peilt Gaz de France, wie Präsident Pierre Gadonnaix gegenüber dem Tagesspiegel betonte, langfristig eine Umsatzrendite von mindestens fünf Prozent an.Diese Rendite erreicht der französische Gaskonzern.Laut Gadonneix soll Gasag binnen drei Jahren schwarze Zahlen schreiben und in acht Jahren wollen die Franzosen erstmals eine Dividende sehen.Und dies für eine Beteiligung am Gesamtkaufpreis des Aktienpakets von über eine Mrd.DM.Das bedeutet, daß in der Gasag kurzfristig ein umfassender unternehmerischer Kurswechsel vollzogen werden muß.Daß dies nötig ist, bestätigte auf Anfrage der Gasag-Aufsichtsratschef und Vertraute von Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing, Grundkreditbank-Chef Karl Kauermann.Unter Hinweis darauf, daß in den letzten zwölf Monaten aufgrund eines offenen Streits im Vorstand und zwischen einzelnen Vorstandsmitgliedern und Aufsichtsräten eine Art Management-Stillstand in der Gasag-Chefetage herrschte, meinte Kauermann, er hoffe, daß der Stillstand nun beendet sei und neue Aktivitäten entfaltet würden.Kauermann ist von den neuen Großaktionären gebeten worden, auch in der ersten Phase nach der Privatisierung an der Spitze des Aufsichtsrats zu bleiben.Wer definitiv Aufsichtsratschef wird, und ob etwa Ruhrgas und RWE ihre Mandate verlieren, wie sie fürchten, soll erst in einigen Monaten entschieden werden.Trotz der tiefroten Zahlen und der offenkundigen Problemflut gab sich Gaz de France-Chef Gadonneix davon überzeugt, daß die Gasag in wenigen Jahren in ein wettbewerbsfähiges Unternehmen verwandelt werden kann.Die Investitionen, so glaubt er, seien aus dem Cash Flow des Unternehmens zu finanzieren.Zusätzliche Finanzspritzen der Mehrheitsaktionäre seien nicht geplant.Als Schlüssel zum Erfolg betrachtet er das Ausschöpfen des Wachstumspotentials, also die massive Ausdehnung des Gas-Anteils auf dem Berliner Wärmemarkt.

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