Wirtschaft : Warnschüsse auf dem Energiemarkt (Kommentar)

Katharina Voss

Auch wenn die Energiekonzerne abwiegeln: Die Äußerungen der Wettbewerbshüter könnten das Ende für ihre Fusionspläne sein. Vor wettbewerbslosen Strukturen warnt der Präsident des Bundeskartellamtes, Ulf Böge. Auch sein Brüssler Kollege, EU-Kommissar Mario Monti, sieht den Europäischen Wettbewerb in Gefahr. Das sind scharfe Geschütze, aus denen gefeuert wird. Zu Recht, erinnert das Duopol von RWE und VEW auf der einen und Veba-Viag auf der anderen Seite doch stark an die alten Marktstrukturen. Jahrzehntelang hatte eine Handvoll Unternehmen den deutschen Energiemarkt in Gebiete aufgeteilt, in denen sie kräftig Gewinne abschöpften. Erst seit der Liberalisierung des Marktes vor rund zwei Jahren müssen sich die Energieversorger mit neuen und ungewohnten Erscheinungen auseinandersetzen: Drängelnden Konkurrenten, anspruchsvollen Kunden und steigender Kostendruck. Die Kunden sind die Profiteuere, weil sie von den sinkenden Preisen profitieren. Das freie Spiel der Kräfte hat auf dem Energiemarkt allerdings noch lange nicht begonnen. Bis jetzt konnten viele der ehemaligen Gebietsmonopolisten ihre alten Kunden mit Preisnachlässen bei der Stange halten. Neue Unternehmen erzielten zwar einzelne Erfolge, in das Massengeschäft sind sie aber noch nicht vorgedrungen. Die Wettbewerbshüter nehmen die geplanten Zusammenschlüsse deshalb zu Recht genau unter die Lupe. Sollte sich dabei der Verdacht erhärten, dass mit den Fusionen ein Duopol entsteht, darf es nicht bei Warnschüssen bleiben.

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