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Warnstreik des Bodenpersonals : Lufthansa streicht fast alle der geplanten 1800 Flüge

Ein Warnstreik hat den Flugbetrieb bei der Lufthansa fast komplett lahmgelegt. Tausende Beschäftigte am Boden sollen im Lauf des Tages die Arbeit niederlegen. Die Lufthansa will deshalb fast alle ihrer knapp 1800 geplanten Flüge streichen.

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"Ich bin ein Strukturproblem."
"Ich bin ein Strukturproblem."Foto: dpa

Streikend werden die Fluggäste heute in Berlin Tegel empfangen. Steigt man aus dem Bus, so haben sich vor dem Flughafengebäude bereits über 80 Mitarbeiter in gelben Neonwesten mit einem Lautsprecherwagen postiert. Aus den Verstärkern dröhnt Musik. Drinnen bilden sich derweil lange Schlangen. Nur ein paar wenige Angestellte der Lufthansa sitzen wie gewohnt auf ihre Plätzen. Doch gearbeitet wird nicht, die Schalter bleiben geschlossen.

Chaos verursacht der Warnstreik des Bodenpersonals der Lufthansa in Tegel bisher jedoch nicht. Dadurch, dass die Fluggesellschaft die bundesweite Arbeitsniederlegung vorzeitig angekündigt hatte, konnte viele der Flüge umgebucht werden. Inlandsfluggäste erhielten außerdem Gutscheine der Deutschen Bahn, um so wenigstens mit dem Zug ans Ziel zu kommen.

Jörg Reichl steht mit seinen Kollegen geschlossen vor dem Flughafengebäude. Er schätzt, dass etwa 90 Prozent des gesamten Bodenpersonals zum Streik in Tegel angetreten sind. Wie vielen gehe es ihm dabei gar nicht so sehr um sein Gehalt: "Wir wären durchaus bereit, uns beim Urlaubs- oder Weihnachtsgeld etwas einzuschränken. Es geht viel mehr um die Sicherung unserer Arbeitsplätze", so Reichl.

Flugausfälle in ganz Deutschland
Bei der Lufthansa hat am Montagmorgen ein bundesweiter Warnstreik des Bodenpersonals begonnen. Die meisten Schalter bleiben geschlossen. Von insgesamt 1720 geplanten Verbindungen sollen nur 32 starten. Besonders betroffen sind die Deutschland- und Europa-Verbindungen - wie hier auf der Flugtafel in Frankfurt am Main zu sehen ist.Weitere Bilder anzeigen
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22.04.2013 09:03Bei der Lufthansa hat am Montagmorgen ein bundesweiter Warnstreik des Bodenpersonals begonnen. Die meisten Schalter bleiben...

Dass er sich um diesen sorgt, ist verständlich, angesichts der Kundgebungen, die verschiedene Vertreter des Betriebsrates heute verlesen. So erklärt ein Mitarbeiter aus Dresden, dass einige Stadtbüros der Lufthansa wegen Umstrukturierungsmaßnahmen bis Ende 2014 geschlossen werden. Betroffen sind davon deutschlandweit insgesamt fünf: Dresden, Mannheim, Köln, Hannover und Nürnberg. Einige der Mitarbeiter sollen anschließend an andere Standorte verwiesen werden, beispielsweise von Mannheim nach Frankfurt oder von Dresden nach Berlin.

Das stößt bei vielen der Streikenden auf Kritik. Brigitte Schäffler (46) arbeitet seit Jahren als Sachbearbeiterin im Stadtbüro der Lufthansa in Berlin und empfindet die bundesweiten Standortschließungen persönlich als sehr hart: "Stellen Sie sich einmal vor: Sie haben die ganze Zeit in Dresden gearbeitet und müssen dann plötzlich nach Berlin umziehen.", sagt sie. An ihrer Brust steckt ein kleiner Button mit der Aufschrift: "Zu alt für ATZ (Altersteilzeit". Auch im Berliner Vertriebsbüro würden Abbauvorgaben bestehen, erklärt Schäffler weiter. Gut 20 Prozent der Stellen sollen hier reduziert werden.

Die Mitarbeiterin einer anderen Airline kann angesichts des Warnstreiks dagegen nur den Kopf schütteln. Sie habe überhaupt kein Verständnis für das Aufbegehren der Lufthansa-Mitarbeiter, die ihrer Ansicht nach im Vergleich genügend Geld verdienen und dazu auch noch reichlich Vergünstigungen bekommen würden.

Bei der Lufthansa hatte am Montagmorgen ein bundesweiter Warnstreik begonnen. Die Fluggesellschaft hatte im Vorfeld fast alle Flüge gestrichen. „Die Streiks sind überall angelaufen mit den ersten Schichten“, sagte Verdi-Sprecherin Martina Sönnichsen. Die Gewerkschaft hatte zu dem ganztägigen Arbeitsausstand aufgerufen und rechnet mit mehreren tausend Technikern und Servicekräften, die sich beteiligen werden.

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