Wirtschaft : Warnstreiks bei der Bewag angekündigt

BERLIN (dw)."Verrat" hatten alte Gewerkschafter geschrien als Berlins mächtiger ÖTV-Chef im Februar die Seiten wechselte und Personalvorstand beim Energieversorger Bewag wurde.Doch Kurt Lange ließ sich nicht beirren.Daß die Gewerkschaften den Arbeitsdirektor bestellen, gehöre zu den hart erkämpften Mitbestimmungsrechten, ließ er erklären: Es sei also auch im Interesse der Arbeitnehmer, wenn er den Vorstandsjob bei der Bewag (Jahresgehalt rund 700 000 DM) annehme.

An die beschwichtigenden Worte glaubt heute wohl keiner mehr: Jedenfalls droht Kurt Lange nach kaum drei Monaten im Amt der erste Warnstreik der Beschäftigten.Wie der Tagesspiegel am Montag erfuhr, hat die Deutsche Angestellten Gewerkschaft (DAG) die Tarifverhandlungen für gescheitert erklärt.Für die kommenden Woche werden Warnstreiks vorbereitet.Die ÖTV hat zwar mehr Verständnis für ihren Ex-Chef.Aber wie Mitglieder am Montag versicherten, werden auch ihre Vertrauensleute am heutigen Dienstag aller Voraussicht nach Streiks beschließen.Schon in der kommenden Woche, hieß es, könnten in den Kraftwerken Mitte und Charlottenburg die Lichter ausgehen.Erster Streiktag sei wahrscheinlich der Dienstag.

Lange, so Stimmen nach der Versammlung der DAG-Vertrauensleute am Montag, ziehe "eine gnadenlos harte Linie" durch und sei "kompromißunfähig".In insgesamt fünf ganztägigen Verhandlungsrunden habe sich der Bewag-Personalchef um keinen Millimeter bewegt.Die Gewerkschaft hatte ursprünglich 5,5 Prozent mehr Vergütung für einen Zeitraum von 12 Monaten gefordert.Lange habe aber lediglich 1,1 Prozent geboten, plus einer Einmalzahlung von 1000 DM und der Übernahme der Versteuerung der Pensionkassenbeiträge - ein Angebot, das sich nach Schätzungen auf ein Gehaltsplus von 2,5 Prozent summierte."Viel zu wenig", hieß es einhellig.Das Angebot könne im Branchenvergleich nicht bestehen.Wenn die Bewag schon das "beste Ergebnis ihrer Unternehmensgeschichte" feiere, müßten die Arbeitnehmer angemessen beteiligt werden.

Lange aber, so kritisieren Gewerkschafter unverhohlen, habe nur das Wohl der Großaktionäre im Auge."Der steht wohl unter großem Druck", hieß es mit Bezug auf den neuen Großaktionär Southern Company.

Immerhin sei die DAG dem Personalchef bei den Verhandlungen entgegengekommen.Ein Abschluß ähnlich wie bei den Hamburger Elektrizitätswerken müsse drin sein: Jeder Vollzeitbeschäftigte der Bewag würde dann unter dem Strich eine Lohnsteigerung von ungefähr 3,7 Prozent erwarten dürfen.Lange habe dies jedoch als "absurd" und "fernab jeglicher Realität" bezeichnet.Nach diesen harten Worten scheinen Warnstreiks aus Sicht der DAG und der ÖTV offenbar unvermeidlich: "Er war elf Jahren an der Spitze der Berliner ÖTV", sagte einer, "aber er hat keine Ahnung, wie man Tarifverhandlungen führt."

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben