Warnstreiks : IG Metall macht weiter Druck

Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall ihre Warnstreiks fortgesetzt. Tausende Metaller protestieren in Norddeutschland für mehr Geld. Am Dienstag wollen sie ihre Arbeitskampfmaßnahmen auf ganz Deutschland ausweiten.

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Warnstreiks seit den frühen Morgenstunden. -Foto: dpa

HamburgSeit dem Wochenende erhöht die IG Metall im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie mit Warnstreiks den Druck auf die Arbeitgeber und legte dadurch auch am frühen Dienstagmorgen viele Betriebe lahm. Ein Schwerpunkt war Norddeutschland, wo am Morgen zahlreiche Beschäftigte ihrer Forderung nach acht Prozent mehr Lohn mit Trillerpfeifen und Transparenten Nachdruck verliehen. In Hamburg legten mit Beginn der Frühschicht um sechs Uhr unter anderem Beschäftigte der Traditionswerft Blohm & Voss die Arbeit nieder. Dort formierte sich ein Demonstrationszug mit rund 400 Teilnehmern.

Die IG Metall wollte ihre Arbeitskampfmaßnahmen am Dienstag auf ganz Deutschland ausweiten. Erstmals sind auch im Norden Zehntausende zu Warnstreikaktionen aufgerufen. "Wir erhoffen uns vom heutigen Tag, dass sich die Arbeitgeber endlich bewegen und ein vernünftiges Angebot machen", sagte Ina Vogel von der IG Metall Unterelbe. Auf dem Spielbudenplatz an der Hamburger Reeperbahn werden 10.000 Metaller zu einer Kundgebung erwartet. IG-Metall-Chef Berthold Huber will die Metaller dort über die Marschroute im Tarifkonflikt informieren.

IG Metall: Arbeitgeberangebot eine Provokation

In Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und dem Saarland rechnet die Gewerkschaft am Dienstag mit rund 30.000 Teilnehmern, in Bayern sollen 20.000 Metaller befristet ihre Arbeit niederlegen. Kommt es nach der Warnstreik-Welle zu keiner Einigung, drohen unbefristete Streiks. Die bisherige Offerte der Arbeitgeber sieht 2,1 Prozent mehr Geld für 2009 und als Einmalzahlung 0,8 Prozent des Jahreseinkommens für die Monate November und Dezember 2008 vor. Die IG Metall lehnt dies als "Provokation" ab.

In Mecklenburg-Vorpommern beteiligten sich seit fünf Uhr Hunderte Arbeitnehmer an den Aktionen. In der Wadan-Werft in Rostock-Warnemünde traten rund 400 Arbeiter in einen Warnstreik. In Sachsen-Anhalt legten 90 der 230 Mitarbeiter der Radsatzfabrik in Ilsenburg (Harz) für eineinhalb Stunden ihre Arbeit nieder. Auch in Thüringen gab es am Morgen befristete Arbeitsniederlegungen: Nach Angaben der IG Metall legten unter anderem die Arbeiter im Siemens Röntgenwerk in Rudolstadt und bei Bosch in Eisenach und Benshausen ihre Arbeit zeitweise nieder. Im gemeinsamen Motorenwerk von Mitsubishi und Daimler in Kölleda folgte die Frühschicht dem Streikaufruf.

Komplette BMW-Frühschicht im Ausstand

Auch rund 800 Beschäftigte des Leipziger BMW-Werks legten am Morgen kurzzeitig ihre Arbeit nieder. Die komplette Frühschicht der Produktion sei in den Warnstreik getreten, sagte der Betriebsratsvorsitzende Jens Köhler. Er sehe keinen Grund, von der Forderung von acht Prozent mehr Lohn abzuweichen - auch wenn auf dem Automarkt eine Absatzflaute herrsche.

Die Metall- und Elektroindustrie ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Mit dem Maschinenbau, der Automobilwirtschaft, der Elektroindustrie und anderen vereint sie wichtige, meist stark exportorientierte Branchen. Nach Angaben des Verbands Gesamtmetall erwirtschafteten 2007 die knapp 23.000 Betriebe mit ihren rund 3,6 Millionen Beschäftigten einen Umsatz von zusammen 947 Milliarden Euro - das sind knapp 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. (imo/dpa)

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