Wirtschaft : Warnstreiks im Baugewerbe laufen an Arbeitgeber zu Gesprächen

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Berlin (msh). Die IG Bau ist trotz der Vorbereitungen für den ersten bundesweiten Streik im Baugewerbe seit Jahrzehnten zu neuen Verhandlungen mit den Arbeitgebern bereit. „Wir sind zu Gesprächen bereit, egal wann“, sagte Gewerkschaftschef Klaus Wiesehügel am Freitag in Berlin. Damit reagierte Wiesehügel auf einen Appell von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), nach dem Scheitern der Schlichtung bald wieder an den Verhandlungstisch zurück zu kehren. Die Arbeitgeber signalisierten den Gewerkschaften indes Entgegenkommen.

Ungeachtet des Gesprächsangebots organisierte die IG Bau am Freitag die ersten Warnstreiks. Nach Gewerkschaftsangaben legten bundesweit mehr als 40 000 Beschäftigte auf rund 2500 Baustellen für mehrere Stunden die Arbeit nieder. Die Urabstimmung über den Streik beginnt am Montag. Stimmen drei Viertel der Bauarbeiter für einen Arbeitskampf, könnte der Streik am 17. Juni beginnen. Wiesehügel machte für neue Verhandlungen zur Bedingung, dass sich die Arbeitgeber aus Ost und West auf eine einheitliche Position einigen. „Im Osten sind die Arbeitgeber zu überhaupt keiner Einigung bereit gewesen“, sagte Wiesehügel.

Die Schlichtung war im Wesentlichen an der Weigerung der Ost-Arbeitgeber gescheitert, den Mindestlohn in den neuen Ländern zu erhöhen. Die Gewerkschaft fordert 4,5 Prozent mehr Lohn. Die Arbeitgeber haben schrittweise Einkommenserhöhungen von 3,0 und 2,1 Prozent ab September angeboten. Die Anhebung des Ost-Mindestlohns lehnten sie dagegen ab.

Die Arbeitgeber hatten bereits am Donnerstag ihre Gesprächsbereitschaft signalisiert. Inzwischen mehren sich die Signale aus dem Arbeitgeberlager, die auf eine Anhebung des Mindestlohns in Ostdeutschland hindeuten. Die Arbeitgeber in Sachsen und Sachsen-Anhalt einigten sich am Freitag in Versammlungen auf eine Komromisslinie. "Im Schlichtungsvorschlag ist noch etwas Luft nach oben", sagte Guido Henke, Hauptgeschäftsführer des Baugewerbeverbandes Sachsen-Anhalt, dem Tagesspiegel. Allerdings müsse auch über die Einführung des zweiten Mindestlohnes für Facharbeiter neu verhandelt werden, sagte Henke. Auch aus Sachsen kommen positive Signale. "Wir können uns eine Annäherung vorstellen. Eine Verweigerungshaltung wird es aus Sachsen nicht geben", sagte Klaus Bertram, Hauptgeschäftsführer des Sächsischen Baugewerbeverbandes, dem Tagesspiegel. Bertram berichtete von einer "aufgeheizten Stimmung" bei den Arbeitgebern. Nach Angaben von Bertram war es in Chemnitzer Baubetrieben während der Warnstreiks zu "Handgreiflichkeiten und Sachbeschädigung" gekommen.

Auch der Bauhauptverband zeigt Entgegenkommen. „Wir sind nicht vom Verhandlungstisch aufgestanden, sondern die Gewerkschaften“, sagt Heiko Stiepelmann, Sprecher des Bauhauptverbandes. Die Landesverbände hätten Verhandlungsführer Thomas Bauer den Rücken gestärkt und ihm „neuen Verhandlungsspielraum verschafft“.

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