Wirtschaft : Warnstreiks im Einzelhandel

BERLIN/HAMBURG (Tsp). Einen Tag vor dem Start der Tarifverhandlungen für einen neuen Lohn- und Gehaltstarifvertrag im Berliner Einzelhandel haben am Dienstag die Einzelhandels-Arbeitnehmer in Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland ihre Warnstreiks fortgesetzt. Auch in Baden-Württemberg, wo die Tarifgespräche für rund 220 000 Beschäftigte an diesem Mittwoch weiter gehen, beteiligten sich mehr als 1000 Arbeitnehmer an Warnstreiks.Die Gewerkschaft Handel Banken und Versicherungen (HBV) verlangt in Berlin eine "deutliche Tarifanhebung" sowie eine Altersteilzeitregelung für ältere Arbeitnehmer. Um diese Regelung hätten sich die "Berliner Einzelhändler bisher verantwortungslos gedrückt", erklärte die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft DAG, die gemeinsam mit der HBV verhandelt. Die Lohnforderung liegt bei sechs Prozent. Für die Auszubildenden verlangen die Gewerkschaften eine Lohnerhöhung von 60 DM und eine Umweltkarte für den öffentlichen Nahverkehr. Sollten die Arbeitgeber nicht schnell ein verhandlungsfähiges Angebot machen, müßten sie mit "Unmutsbekundungen" wie in den anderen Verhandlungsbezirken auch rechnen.Zum Beginn der Gespräche in Hessen sagte HBV-Verhandlungsführer Hans Kroha in Bad Nauheim, es sei noch völlkig offen, ob es in dieser fünften Verhandlungsrunde zum einem Abschluß kommen werde. Es gebe noch einige "harte Brocken". Dazu gehörten Forderungen der Arbeitgeber nach einer Billig-Lohngruppe für ungelernte Verkäufer. Außerdem sollten Auszubildende 18 Monate lang keine Gehaltserhöhung bekommen. Die Arbeitgeber haben zuletzt 2,8 Prozent mehr Lohn und Gehalt geboten.In Bayern wurden die vierte Verhandlungsrunde abgebrochen, nachdem die Arbeitgeber ein neues Angebot vorgelegt hatten. HBV-Geschäftsführer Georg Wäsler begründete die Warnstreiks: "Wir wollen so richtig Druck machen." Etwa 12 000 Mitarbeiter in mehreren Städten seien betroffen. Bereits am Montag hatten die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) sowie die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) ihre Forderungen in Bayern mit Warnstreiks untermauert. Die Arbeitgeber haten im neuen Angebot eine Anhebung der Löhne und Gehälter um drei Prozent ab August angeboten. Für Monate Mai, Juni und Juli sollten die Beschäftigten eine Einmalzahlung von insgesamt 130 Mark erhalten. Auszubildende sollten ab September gestaffelt nach Berufsjahren zehn, 15 und 20 Mark pro Monat mehr bekommen.Zum Auftakt der 5. Tarifrunde im rheinland-pfälzischen Einzelhandel in Mainz versammelten sich dort mehrere hundert Streikende. Sie bekräftigten die Forderung nach sechs Prozent mehr Einkommen und Ablehnung einer Billiglohngruppe.

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