Wirtschaft : Warnung vor "Ende der Bescheidenheit"

HAMBURG (HB).Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hält bei einer zurückhaltenden Lohnpolitik einen Abbau der Arbeitslosenzahl in Deutschland um eine Million bis zum Jahr 2002 für möglich.Zur Zeit sind es rund vier Millionen.Führende Repräsentanten der deutschen Wirtschaft warnten die Gewerkschaften am Mittwoch zugleich vor einem "Ende der Bescheidenheit" und wiesen die Einkommensforderungen von bis zu 6,5 Prozent entschieden zurück.Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Dieter Hund, sieht in der Ausweitung flexibler Arbeitszeiten einen Weg zu mehr Beschäftigung.Im ZDF sagte Hundt, wenn die Lohnerhöhungen unterhalb der Produktivitätssteigerungen blieben - "wie in den vergangenen drei Jahren erfolgreicher Tarifpolitik" - könnte dies beschäftigungsfördernd wirken.

Metallarbeitgeber-Präsident Werner Stumpfe sagte im Südwestfunk, die von Bundesfinanzminister Oscar Lafontaine (SPD) gesetzte Zielmarke von einer Million weniger Arbeitslosen in dieser Legislaturperiode sei "ein realistischer guter Maßstab".Er appellierte an die Tarifvertragsparteien, in der bevorstehenden Verhandlungsrunde den Beschäftigten eine Realeinkommens-Erhöhung zu gewähren, ohne dabei Arbeitsplätze zu gefährden.Der Vorstandsvorsitzende der Bayer AG, Manfred Schneider, sagte dem "Handelsblatt", Deutschland habe schon heute weltweit die höchsten Arbeitskosten.Er sehe nur sehr wenig Spielraum für eine Erhöhung der Bruttolöhne und -gehälter.Als Basis für die Forderungen der Gewerkschaften könne allenfalls die Inflationsrate in Frage kommen.Sie wird im kommenden Jahr auf etwa 1,5 Prozent geschätzt.Das "Ende der Bescheidenheit" sei in Wirklichkeit ein "Ende der Vernunft", sagte der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Heinrich von Pierer, dem Handelsblatt.Er könne sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie dadurch mehr Arbeitsplätze entstehen sollen.Es würde im Gegenteil zu einem neuen Kostenschub kommen und der von der neuen Koalition versprochene zügige Abbau der Arbeitslosigkeit würde ein Wunschtraum bleiben, äußerte von Pierer.

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