• Warnung vor Konjunktur-Euphorie: IfW korrigiert Prognose für Deutschland nach unten - DIW verweist auf schwache Binnennachfrage

Wirtschaft : Warnung vor Konjunktur-Euphorie: IfW korrigiert Prognose für Deutschland nach unten - DIW verweist auf schwache Binnennachfrage

Führende deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute warnen vor übertriebenem Optimismus bei der Wachstumsprognose für dieses Jahr. Die Auftriebskräfte seien zwar stark, sollten aber nicht überschätzt werden, betonten Konjunkturexperten mehrerer Institute am Montag in einer Umfrage. Anders als das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), das - ähnlich wie Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt - die Prognose nach oben schraubte und für das laufende Jahr mit einer Wachstumsrate von "mindestens drei Prozent" rechnet, zeigten sich die meisten anderen Institute zurückhaltend.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung bleiben bei ihrer Prognose von 2,8 Prozent. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) korrigiert seine Konjunkturerwartungen für dieses und das kommende Jahr sogar auf jeweils 2,7 Prozent herunter. IfW-Präsident Horst Siebert sagte, die Weltkonjunktur werde bereits in diesem Jahr ihren Scheitel überschreiten.

RWI-Vizepräsident Ullrich Heilemann verteidigte seinen Optimismus. Die Konstellation für die deutsche Konjunktur sei so günstig wie seit zehn Jahren nicht mehr, sagte er. Es ergebe sich ein "rundum sonniges Bild". Im kommenden Jahr werde insbesondere die geplante Steuerentlastung einen "gewissen Schub" bringen.

Dagegen sagte DIW-Konjunkturexperte Gustav-Adolf Horn, die Binnennachfrage sei noch zu schwach, um einen Aufschwung wie in den USA zu begründen. Nach Angaben von Ifo-Chef Hans-Werner schwächt sich das Geschäftsklima in Ostdeutschland nach den jüngsten Tarifabschlüssen wieder ab. Dies zeigten Umfragen seines Hauses "in aller Klarheit". Auch das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) warnt vor übertriebenen Hoffnungen. Man sollte nicht zu euphorisch sein, sagte IWH-Chef Rüdiger Pohl. Auch ein etwaiges Wachstum von drei Prozent sei angesichts der bestehenden Arbeitsmarktprobleme nicht ausreichend. Er sieht die Gefahr, dass die für mehr Wachstum nötigen Strukturreformen bei einer sich belebender Konjunktur unterlassen würden.

Der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, rechnet dennoch wegen der anziehenden Konjunktur im kommenden Jahr mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosenzahl um gut 300 000. Ein Drittel des Rückgangs der Erwerbslosigkeit sei auf die Bevölkerungsentwicklung zurückzuführen, zwei Drittel auf den Beschäftigungsaufbau.

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