Wirtschaft : Warnung vor Kurssturz am Neuen Markt

FRANKFURT (MAIN) (stk/HB).Am Neuen Markt steht den Anlegern ein "Härtetest" bevor.Dies sagt Uwe E.Flach, Vorstandsmitglied der DG Bank, dem führenden Emissionshaus am Wachstumsmarkt der Deutschen Börse AG, in einem Gespräch mit dem Düssel- dorfer Handelsblatt.Er warnt Aktionäre, höchstens 20 Prozent ihres Portfolios in dem hochspekulativen Börsensegment anzulegen.Von dem weiteren Erfolg des Neuen Marktes, der im März seinen zweiten Geburtstag feiert, ist Flach aber überzeugt.

Flach rechnet nicht mit einem großen Knall, den ein allgemeiner Kurscrash oder eine spektakuläre Unternehmenspleite auslösen könnte.Vielmehr erwartet er eine weltweit niedrigere Bewertung der Hochtechnologie-Titel.Diese Entwicklung werde von den USA ausgehen und dann unverzüglich Deutschland erreichen."Und ich wäre nicht überrascht, wenn die Bewährungsprobe innerhalb der kommenden zwölf Monate erfolgt", sagt der Banker.

Seiner Ansicht nach sind verschiedene Werte gegenwärtig zu teuer.Wegen der Phantasie im Software-Sektor bezahlten Anleger Preise für Gewinnerwartungen, die sich, wenn überhaupt, erst in vier bis fünf Jahren verwirklichen ließen, begründet Flach seine Warnung.In den nächsten zwölf Monaten werden sich die Kurse auf einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) einpendeln, "das nicht mehr so viele Bauchschmerzen bereitet", ist sich Flach sicher.Gegenwärtig erreichen die Kurs-Gewinn-Verhältnisse Werte von weit über 100.

Zukünftig wird sich Flach zufolge auch das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage bei den Neuemissionen normalisieren.Anleger würden stärker auswählen und Themenschwerpunkte definieren, zum Beispiel nach Branchen.Damit werde auch die Differenz zwischen den Emissionspreisen und den ersten Börsenkursen sinken.Doch Flach ist auch überzeugt, daß das Interesse an den Titeln des Neuen Marktes groß bleibt.Alleine seine Bank bringe in den nächsten sechs Monaten rund zehn neue Kandidaten an die Wachstumsbörse.Insgesamt rechnet er für das laufende Jahr mit 100 Neuemissionen am deutschen Aktienmarkt; davon alleine nochmals 70 am Neuen Markt.

Aber nicht jeder Aspirant paßt auf dieses Segment.Flach hat im vergangenen Vierteljahr mit rund 40 bis 50 Börsenkandidaten Gespräche geführt.Nur ein Drittel hielt er für geeignet."Wir selektieren verstärkt und erstellen viel häufiger Gutachten unter anderem über die Erfolgsaussichten der Produkte.Das ist sehr wichtig bei Neue-Markt-Werten, weil ihr Erfolg häufig an der Marktakzeptanz nur eines Produktes hängt", so Flach.Mit zehn weiteren Emissionen bis zum Herbst will Flach die Marktführerschaft der DG Bank am Neuen Markt verteidigen.Aus der Kritik an der Zuteilungspraxis der deutschen Banken bei einem Going public hat die DG Bank Konsequenzen gezogen.Ab sofort sei die Zuteilung "gläsern", sagt Flach: Die Bank legt die Zeichnung und die spätere Zuteilung an die Privatanleger offen.Gleiches gelte für die Ausgabe der Aktien an Unternehmensmitarbeiter und Freunde.Und, auf diesen Punkt legt Flach besonderen Wert, "der Zuteilungsschlüssel schließt eine Bevorzugung bestimmter Privatkundengruppen von Raiffeisen- und Volksbanken aus".

Der Emissionsboom am deutschen Aktienmarkt hat zu Kapazitätsproblemen in den Banken geführt, bestätigt Flach.Sein Haus habe deswegen aber noch nie die Führung eines Konsortiums abgelehnt.Im Jahre 1998 hat die DG Bank für die Börseneinführung 20 neue Leute eingestellt, für dieses Jahr sind Flach zufolge mindestens zehn weitere Mitarbeiter geplant.Wegen der damit steigenden Kosten lohne sich eine Emission aber erst ab einem Volumen von 20 Mill.DM.

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