Wirtschaft : Warnung vor Schneider vergessen

Kredit-Chef widerspricht Vorstand

FRANKFURT/MAIN (dpa).Eine Warnung im Fall Schneider hat der Chef der Kreditüberwachung der Deutschen Bank laut eigener Aussage "einfach vergessen".Der inzwischen pensionierte Direktor Klaus Leukert sagte am Mittwoch im Prozeß gegen den gescheiterten Immobilienunternehmer Jürgen Schneider vor dem Landgericht Frankfurt aus, er sei bereits Ende der 80er Jahre vor einem im Auftrag Schneiders tätigen Bausachverständigen gewarnt worden.Der von Schneider bezahlte Experte manipuliere Schätzwerte über den zu erwartenden Mietertrag von Schneider-Objekten, lautete der Hinweis.Leukert erklärte, er habe diese Information weitergegeben und dann bis zum geschäftlichen Zusammenbruch Schneiders 1994 vergessen. Der Zeuge bekannte sich vor der Wirtschaftsstrafkammer zu seiner Mitverantwortung für Fehler der Kreditüberwachung im Fall Schneider.Die von ihm angestellte Plausibilitätskontrolle der Kreditvergabe an Schneider in einer Gesamthöhe von rund 1,5 Mrd.DM habe aus unterschiedlichen Gründen versagt.Zum Beispiel sei eine besonders kompetente spezielle Baufinanzierungsabteilung der Deutschen Bank im Jahr 1989 aufgelöst worden. Leukert sagte aus, der Vorstand der Deutschen Bank sei auch für die Kreditvergaben der Hypothekenbanktochter Centralboden an Schneider verantwortlich und habe diese genehmigt.Sie machten zwei Drittel des Gesamtengagements aus.Leukert widersprach damit Aussagen von Vorstandsmitgliedern der Deutschen Bank einschließlich des ehemaligen Vorstandssprechers Hilmar Kopper über die angebliche Eigenständigkeit der Tochtergesellschaft bei ihren Kreditentscheidungen. Dem Immobilienunternehmer Schneider wirft die Anklage schweren Betrug, Bankrott sowie Kreditbetrug in dreistelliger Millionenhöhe und Urkundenfälschung vor.Der Prozeß wird in der kommenden Woche unter anderem mit der Zeugenaussage des Vorstandsmitglieds der Deutschen Bank Ulrich Weiss fortgesetzt.

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