Wirtschaft : Warnung vor übertriebenen Ängsten

Das Gutachten des DIW, das von einem Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent für 1999 ausgeht, hat heftige Reaktionen bei den Tarifparteien hervorgerufen.Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Reinhard Göhner, verlangte von den Gewerkschaften, die moderate Lohnpolitik fortzusetzen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat dagegen sofortige wirtschaftspolitische Konsequenzen gefordert.DGB-Vorstandsmitglied Heinz Putzhammer forderte von der Europäischen Zentralbank (EZB), unverzüglich die Zinsen zu senken.Er könne sich Zinssätze mit einer "eins vor dem Komma" vorstellen, sagte Putzkammer.Der zweite Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Peters, erteilte Forderungen nach Lohnzurückhaltung eine klare Absage: "Die Lohnpolitik muß jetzt dafür sorgen, daß der schwächelnde Export durch einen deutlichen Zuwachs der Inlandsnachfrage ausgeglichen wird."

Die anderen Wirtschaftsforschungsinstitute sehen vorerst keinen Grund, ihre Prognosen ebenfalls zurückzunehmen.Zwischen 1,8 und 2,8 Prozent liegen die Voraussagen für die Konjunktur.Das DIW erwartet, daß die Exportrate für Güter und Dienstleistungen 1999 zurückgehen wird - im gemeinsamen Herbstgutachten der Institute war sogar noch von 4,8 Prozent Exportwachstum die Rede.

Jörg Beyfuß vom arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln (IW) sagt zwar auch, daß die Krisen in Asien und Rußland ein Schock waren, aber "wir sehen schon wieder positive Signale".Auch Joachim Scheide vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) warnt vor übertriebenen Reaktionen auf kurzfristige Schwankungen.Weitaus optimistischer als das DIW äußerte sich das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) vor allem hinsichtlich der Entwicklung in Ostdeutschland.Es gebe keinen Grund für "übertriebene Angst" sagte IWH-Präsident Rüdiger Pohl dem Tagesspiegel.Bei vergleichsweise moderatem Schrumpfen der Baukonjunktur von 2,5 Prozent werde der stark wachsende ostdeutsche Gewerbebereich zum Träger des Wischaftswachstums in den neuen Bundesländern, das mit 2,3 sogar noch etwas höher liegen soll als das auf 2,2 Prozent geschätzte Wachstum in Deutschland.

Einig sind sich die Wirtschaftsforscher, was die bevorstehenden Tarifverhandlungen angeht: Sie warnen vor zu hohen Forderungen."Schon vier Prozent mehr Lohn würden den gegenwärtigen Aufschwung am Arbeitsmarkt gefährden", so Joachim Scheide.Auch für eine Senkung der Zinssätze durch die Europäische Zentralbank sehen sie keinen Anlaß."Wen soll das denn anspornen?", fragt Jörg Beyfuß vom IW, "die Zinsen sind ja schon niedrig".Allein am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans Böckler-Stiftung kann man sich eine "begleitende" Geldpolitik durch die EZB mit einer eventuellen Senkung der Zinsen vorstellen.

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