Wirtschaft : Warren Buffett sucht neuen Nachfolger Bisheriger Kandidat nach Aktiengeschäft im Abseits

New York/Berlin - Die Karten im Rennen um die Nachfolge des Großinvestors Warren Buffett werden neu gemischt. David Sokol, der als Kronprinz bei Buffetts Investmentfirma Berkshire Hathaway galt, hat sich überraschend zurückgezogen. Jetzt dürfte es noch drei interne Kandidaten für den Spitzenjob im Milliardenimperium des 80-jährigen Buffett geben.

Die Begründung für die Demission des 54-jährigen Managers wirkt widersprüchlich: Einerseits breitete Buffett in einem offenen Brief Details zu einem millionenschweren Aktiengeschäft aus, das ein eher zweifelhaftes Licht auf Sokol wirft. Andererseits betonten beide, der Rückzug habe nichts mit dem Deal zu tun. Sokol habe seit drei Jahren über einen Rücktritt nachgedacht.

Sokol hatte Anfang Januar knapp 100 000 Aktien der Spezialchemiefirma Lubrizol gekauft – während er den Boden für ein Übernahmeangebot durch Buffetts Berkshire-Holding vorbereitete. Wenige Tage später versuchte er, Buffett den Kauf von Lubrizol schmackhaft zu machen, zunächst erfolglos. Ende des Monats biss die Investorenlegende jedoch an, im März beschloss Berkshire den Kauf von Lubrizol für neun Milliarden Dollar. Sokols Anteil war damit auf einen Schlag um drei Millionen Dollar wertvoller.

Er habe sich nichts vorzuwerfen, rechtfertigte sich Sokol in einem Live-Interview des Senders CNBC – und ließ gleich die nächste Bombe platzen: Schließlich habe Berkshires Vizeverwaltungsratschef Charles Munger auch drei Prozent an dem chinesischen Autokonzern BYD gehalten, als er eine Investition in das Unternehmen vorgeschlagen habe. Berkshire stieg 2008 mit zehn Prozent beim Mutterkonzern des Spezialisten für Elektroauto-Batterien ein.

Für Buffett wäre der Schatten eines Insider-Verdachts im engsten Umfeld zu seinem Lebensabend besonders schmerzhaft. Zeit seines Lebens forderte er höhere ethische Standards in der Wirtschaft. Sein Milliarden-Vermögen häufte er mit intelligenten Investitionen an, seine Fans gaben ihm dafür den Spitznamen „Orakel von Omaha“. Wohl auch deshalb legte Buffett in seinem Brief Wert auf maximale Offenheit. Er habe erst nach der Kaufentscheidung erfahren, wie hoch die Lubrizol-Beteiligung seines Vertrauten gewesen sei, schrieb er. Sokol habe zwar nebenbei erwähnt, dass er Aktien der Firma halte, aber nicht gesagt, wie viele und seit wann. dpa

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