Wirtschaft : Warten auf das nächste Ding

Die Verkaufszahlen des iPhone liegen unter den Erwartungen. Die Börse schlägt Alarm, aber nicht alle Experten sehen schwarz.

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Neue Stufe. In China –hier ein Shop in Hongkong – steigerte Apple den iPhone-Umsatz um 48 Prozent. In Europa sieht es anders aus.Foto: dpa
Neue Stufe. In China –hier ein Shop in Hongkong – steigerte Apple den iPhone-Umsatz um 48 Prozent. In Europa sieht es anders...Foto: dpa

Berlin - Apple hat in drei Monaten 8,8 Milliarden Dollar verdient. Das sind fast 100 Millionen Dollar an jedem Tag. Zum Vergleich: Siemens oder Daimler verdienten im gesamten Jahr zuletzt jeweils rund sechs Milliarden Euro. Den Umsatz steigerte Apple im Vergleich zum Vorjahresquartal um knapp ein Viertel auf 35 Milliarden Dollar. Auch die Marge wuchs – auf 42,8 Prozent. Doch der Börse war das nicht gut genug, die Analysten hatten mehr erwartet. In der Folge stürzte die Apple-Aktie ab. In Frankfurt notierte sie am Mittwoch 5,6 Prozent niedriger bei 472,65 Euro.

Ein Grund dafür: Apple verkaufte im abgelaufenen Quartal 26 Millionen iPhones. Aus Sicht der Analysten nur 26 Millionen. Sie hatten im Schnitt mit höheren Verkäufen gerechnet, zumal das Unternehmen in den ersten drei Monaten noch 35 Millionen iPhones abgesetzt hatte. Hat der Verkaufsschlager seine besten Tage hinter sich? Für Apple wäre das ein schwerer Schlag, immerhin steht das iPhone fast für die Hälfte des Umsatzes. Deshalb streitet sich der Konzern auch so erbittert mit Samsung über Patente.

Apple-Chef Tim Cook nannte vor allem zwei Gründe für die Zurückhaltung der Käufer: zum einen die Schuldenkrise. „In Europa lief es nicht so gut“, sagte Konzern-Chef Tim Cook. „Großbritannien hat sich gut gehalten. Frankreich, Griechenland und Italien waren schwach. Deutschland ist nur im einstelligen Prozentbereich gewachsen.“ Dafür wuchs der Umsatz in China um 48 Prozent. Zum anderen warten viele Fans auf ein runderneuertes iPhone 5, mit dem im Oktober gerechnet wird. „Die Leute wollen das nächste Ding – und darüber bin ich super froh“, sagte Tim Cook. Den genauen Starttermin und die technischen Details hält Apple wie immer geheim. Branchenkenner berichten allerdings, dass die Produktion in China bereits begonnen hat.

„Da muss dieses Jahr noch was kommen“, sagt Roland Hirschmüller, Chefaktienhändler der Baader Bank. Aber er ist überzeugt, dass Apple im wichtigen Weihnachtsgeschäft tatsächlich etwas bieten wird. Neben einem neuen iPhone könnte das etwa der lang erwartete Apple-Fernseher sein. Den Produktlebenszyklus des iPhones sieht Hirschmüller jedenfalls noch nicht am Ende angekommen. „Mit neuen Funktionen und Anwendungen kann man das noch eine Weile herauszögern.“ Zudem sei das iPhone mehr als ein Gebrauchsgegenstand: ein Statussymbol.

Den guten Ruf hat sich Apple mit innovativen und benutzerfreundlichen Produkten erworben, mit denen das Unternehmen neue Märkte geschaffen oder bestehende nachhaltig verändert hat. Das gilt für den Musikspieler iPod, wie den Mediendienst iTunes, das iPhone und zuletzt den Tablet-Computer iPad. Letzterer verkaufte sich im abgelaufenen Quartal 17 Millionen Mal. All diese Produkte wurden vorangetrieben von Steve Jobs, der im Oktober 2011 starb. Die Frage ist, ob es Apple auch ohne seinen Gründer gelingt, das hohe Innovationstempo zu halten. „Das liegt nicht nur an einer Person“, meint Ralf Kaumanns, Geschäftsführer des Marktforschungsdienstes Strategyfacts.com. Und auch Hirschmüller ist überzeugt: „Bei Apple gibt es genug kluge Köpfe, die in der Lage sind, neue Produkte zu entwickeln.“ Das Unternehmen sei ein attraktiver Arbeitgeber und habe daher keine Probleme, die besten Leute für sich zu gewinnen.

Überhaupt hält Kaumanns den Pessimismus der Analysten für übertrieben. „Es kommt darauf an, wie groß der Markt ist und ob es noch Luft gibt. Ich würde sagen, da gibt es noch viel Luft.“ Die Verkaufszahlen seien nach wie vor hoch, ebenso die Kundenzufriedenheit und die Rate derer, die wieder ein iPhone kaufen würden. „Die Loyalität der Apple-Kunden ist extrem hoch“, sagt Kaumanns. „Das sind harte Fakten. Apple schwächelt nicht, sondern ist kerngesund.“

Hinzu kommt: Mit einem Barmittelbestand von 107 Milliarden Dollar könnte sich Apple sogar einen Flop leisten – oder eine gute Idee hinzukaufen, sollte die einmal von jemand anders kommen.

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