Wirtschaft : Warten auf das Zinssignal aus Washington

BERLIN/FRANKFURT (MAIN) (fk/Tsp/HB).Weltweit standen die Finanzmärkte am Dienstag im Bann der Ergebnisse des Offenmarkt-Ausschusses der US-Notenbank.Der Ausschuß kam unter seinem Vorsitzenden Alan Greenspan zusammen, um über die Zinsen zu beraten.Bis zum Redaktionsschluß dieser Ausgabe lag noch keine Entscheidung aus Washington vor.Bis zum Abend sollte feststehen, ob der Ausschuß die US-Leitzinsen erhöht oder unverändert beläßt.Dahinter stand die Überlegung, daß ein höheres Zinsniveau in den USA die Geldanlage dort attraktiver machen könnte.Zugleich würde es für Investoren weniger lohnend, Geld in Euroland anzulegen.

Deswegen warteten die Akteure zunächst ab.Gleichwohl stieg der Kurs des Euro am Dienstag im Vergleich zum Dollar weiter leicht.Die Europäische Zentralbank stellte einen Referenzkurs von 1,0690 Dollar fest (Montag: 1,0669 Dollar).Damit verbilligte sich der Dollar geringfügig auf 1,8295 (1,8331) DM.Die Umsätze der Geschäfte waren gering.Im New Yorker Handel präsentierte sich der Euro nahezu unverändert zum Referenzkurs und notierte im frühen Geschäft bei 1,0694/98 Dollar.Das Devisengeschäft laufe vor der Sitzung des Offenmarkt-Ausschusses der US-Notenbank in engen Spannen, berichteten Händler in New York.

Die Mehrheit der Analysten rechnete nicht mit einer Anhebung der Tagesgeldsätzen.Das Warten auf eine etwaige Zinserhöhung hielt auch viele Anleger vom Aktienkauf ab.Viele Wertpapierhändler wünschten sich indes eine leichte Zinserhöhung von 0,25 Prozentpunkten."Dann wäre die Kuh vom Eis", sagte ein Marktteilnehmer.Er befürchte allerdings, daß die amerikanischen Notenbanker jetzt noch nichts machen würden."Dann bleibt halt die Unsicherheit im Markt, und das ist nicht so gut." Die Unsicherheit vergrößterte auf dem Aktienmarkt die Trägheit.In Frankfurt (Main) lag der Deutsche Aktien-Index (Dax) am frühen Nachmittag bei 5115 Zählern - das war nur ein Punkt über dem Schlußstand des Vortages.

Derweil betonte das Bundesbank-Direktoriumsmitglied Helmut Schieber gegenüber dem "Handelsblatt" die Unabhängigkeit der europäischen Anleihemärkte vom US-Markt."Zwar hat der Schwächeanfall des US-Marktes nach dem kräftigen Anstieg der amerikanischen Verbraucherpreise auch auf Euroland ausgestrahlt, aber nur mit spürbarer Zurückhaltung", sagte Schieber, der für Kredit, Devisen und Finanzmarkt zuständig ist.Viele Beobachter lassen nach Schiebers Angaben außer Acht, daß in Europa ein mit den USA nahezu gleichgewichtiger Wirtschafts- und Währungsraum entstanden sei.Dadurch wurde Euroland nach Auffassung des Zentralbankers resistenter gegen Übertragungseffekte.

"Die Europäische Zentralbank hat die Möglichkeit, ihre Geldpolitik in der Bewertung der eigenen Stabilitäts- und Wirtschaftsaussichten zu führen", versicherte Schieber, der auch Mitglied des deutschen Zentralbankrats ist.Maßgeblich für die Zinsdifferenz diesseits und jenseits des Atlantik seien die unterschiedlichen Wirtschaftsentwicklungen."In den USA gibt es einen seit fast neun Jahren anhaltenden Aufschwung, in Europa bei schwächerem Wachstum nur eine Waschbrett-Konjunktur."

Daß die Euro-Zentralbank mit ihrer Zinssenkung von 3,0 auf 2,5 Prozent von Anfang April vielfach auf Unverständnis stieß, zeigt Schieber zufolge, daß viele Beobachter noch lernen müssen, geldpolitische Entscheidungen aus supranationaler und nicht mehr aus nationaler Sicht zu kommentieren.

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