Wirtschaft : Warten auf den Frühling

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Von Alfons Frese

Hoffentlich ist bald Frühling. Wenn das Wetter freundlich wird und die Stimmung sich hebt, dann fängt in den Autohäusern das Jahr erst richtig an. Das Kalkül von Herstellern und Händlern stützt sich auch auf Erfahrungen: Im März steigt die Kauflaune, und im April und Mai haben die Leute so richtig Lust auf ein neues Auto. Hoffentlich. Nachdem im Januar so wenig Autos gekauft wurden wie seit vielen Jahren nicht mehr, wachsen die Zweifel am Autojahr 2004. Auch weil 2003 für viele Konzerne eher mau war – zum Beispiel für VW und DaimlerChrysler, die in dieser Woche Geschäftszahlen vorlegen.

Daimler-Chrysler wird wohl den Vertrag von Vorstandschef Jürgen Schrempp bis 2007 verlängern. Schrempp muss gewissermaßen nachsitzen, weil die Zusammenführung der Pkw-Marken Mercedes-Benz, Chrysler, Mitsubishi und Smart noch lange nicht abgeschlossen ist, geschweige denn gelungen. 1998 fand die Fusion statt, und sofern Schrempps Kalkül aufgeht, kann er sich neun Jahre später mit einem guten Ergebnis in den Ruhestand verabschieden – wenn sich die Märkte erholen, die Produkte angenommen werden und die Zusammenarbeit der verschiedenen Konzernbereiche klappt.

Dass die Hersteller alles versuchen, um ein weiteres Flautejahr zu verhindern, zeigt ein anderer Termin in dieser Woche. Am Mittwoch reist eine Delegation des europäischen Autoverbandes nach Brüssel, um gut Wetter für bessere Rahmenbedingungen zu machen. Ganz oben auf der Liste der Lobbyisten: die Selbstverpflichtung der Hersteller, den Ausstoß von Kohlendioxid bis 2010 deutlich zu drücken. Da dies kaum zu schaffen ist, drohen Zwangsmaßnahmen. Deshalb, so haben sich die Konzerne wohl gedacht, ist es besser, frühzeitig bei der EU-Kommission zu antichambrieren. Der Besuch in Brüssel zeigt aber vor allem, wie nervös die Branche inzwischen ist. Und wie dringend nötig sie einen Autofrühling hat.

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