Wirtschaft : Warten auf den „Klebeeffekt“

Über Personal-Service-Agenturen haben seit 2003 erst 26 200 Arbeitslose einen festen Job gefunden

Cordula Eubel

Berlin – Sie sind als das „Herzstück“ der Arbeitsmarktreform Hartz I bezeichnet worden: die Personal-Service-Agenturen (PSA), die Arbeitslose gegen ein Honorar einstellen und als Zeitarbeiter an Firmen vermitteln. Von den 81 200 Arbeitslosen, die seit dem Start im Frühjahr 2003 aus den PSA wieder ausgeschieden sind, haben 26 200 Personen nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) über eine PSA einen festen sozialversicherungspflichtigen Job gefunden. Der erwünschte „Klebeeffekt“ hat also bei einem Drittel der Arbeitslosen funktioniert.

Doch die absoluten Zahlen sind deutlich geringer, als die Bundesagentur sich ursprünglich erhofft hatte. Bundesweit gibt es derzeit 821 Personal-Service-Agenturen. Von den 33 800 vorhandenen Plätzen waren im Februar 25 700 besetzt. Vor dem Start hatte sich die BA vorgenommen, 50 000 Arbeitslose in den Leiharbeitsfirmen unterzubringen.

Arbeitsmarktforscher machen für den zögerlichen Start zum einen die schlechte Konjunktur in den letzten zwei Jahren verantwortlich. Die Einführung der PSA sei in eine Phase gefallen, in der der Leiharbeitsmarkt stag-

nierte oder sogar leicht rückläufig war, sagt Elke Jahn, Leiterin der Arbeitsgruppe Leiharbeit beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Generell sind die Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen vor allem in Aufschwungzeiten gefragt, wenn die Unternehmen wegen anziehenden Aufträge zusätzliches Personal benötigen.

Für einen „schweren Imageschaden“ hat außerdem nach Ansicht von IAB-Forscherin Jahn die Insolvenz der Firma Maatwerk im Februar 2004 gesorgt. Maatwerk – als der größte Anbieter von PSA – war ins Gerede gekommen, weil er am Ende den Arbeitslosen deren Honorar nicht mehr zahlen konnte. Von dem Schaden müsse sich das neue Instrument PSA erst einmal erholen, sagt Jahn. Mehr als die Hälfte der PSA wird derzeit von traditionellen Leiharbeitsfirmen betrieben. Weitere Anbieter sind außerdem private Vermittlungsfirmen sowie Bildungsträger.

Nach zwei Jahren Erfahrung mit dem neuen Instrument verändert nun auch die Bundesagentur ihre Förderung. Während die PSA bisher eine monatliche Pauschale von 1000 Euro pro Arbeitslosem erhalten hat, soll diese ab dem Sommer auf 500 Euro abgesenkt werden. Dann schreiben die Arbeitsagenturen die neuen Verträge aus, die für zwei Jahre mit den privaten PSA-Anbietern abgeschlossen werden.

Im Gegenzug soll eine höhere Prämie gezahlt werden, wenn jemand erfolgreich in einen festen Job vermittelt wurde. Bis zu 3500 Euro zahlen die Arbeitsagenturen dann extra. Bisher erhielt die PSA bei einer Vermittlung innerhalb der ersten zwei Monate ein Erfolgshonorar von 2000 Euro, bei drei bis sechs Monaten 1500 Euro, zwischen sieben und neun Monaten 1000 Euro.

Mit der niedrigeren Grundprämie solle dafür gesorgt werden, dass die PSA-Firmen die Arbeitslosen verstärkt in Zeitarbeit verleihen, sagte ein BA-Sprecher. Mit der höheren Erfolgsprämie solle außerdem der Anreiz höher werden, die Arbeitslosen in einen festen Job zu vermitteln.

Nach Ansicht von Deutschlands zweitgrößtem Personaldienstleister Manpower sind die PSA jedoch ein „politisches Auslaufmodell“. Eine Vielzahl der Agenturen arbeite nicht profitabel, weil Problemfälle nicht vermittelt werden könnten, sagt Manpower-Geschäftsführer Thomas Reitz. Deshalb werde sich Manpower von weiteren PSA trennen. Die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe habe der Zeitarbeitsbranche jedoch genutzt. Wegen Hartz IV hätten die Bewerberzahlen bei Manpower deutlich zugenommen.

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