Wirtschaft : Warten auf den Mega-Merger - mit Mini-Fusionen ist der Industrie nicht geholfen

Wolfgang Drechsler

Die anhaltende Schwäche des Goldpreises stellt die Frage, ob auch dem fragmentierten Goldsektor ähnliche Großfusionen wie zuletzt der Öl-, Aluminium-, oder Kupferindustrie ins Haus stehen. Bereits jetzt kursieren mit feiner Regelmäßigkeit Gerüchte über eine Fusion von Newmont und Barrick, den beiden größten Goldproduzenten in Nordamerika. Unklarheit herrscht jedoch darüber, ob durch die Fusion zweier führender Goldfirmen, zu der auch die Verschmelzung eines großen südafrikanischen und eines nordamerikanischen Produzenten zählen könnte, zusätzliche Gewinne aus den Goldminen herausgepresst werden können.

Tatsache ist, dass es in den oberen Etagen der Goldindustrie bislang zu keinen Großfusionen wie in anderen Rohstoffbranchen gekommen ist. Bislang haben die Zusammenschlüsse im Goldsektor nur im zweiten oder dritten Glied stattgefunden. Einige große nordamerikanische Produzenten haben die Gunst der Stunde ergriffen und ums Überleben kämpfende Minen zu Dumpingpreisen erworben. Andere Unternehmen sind Partnerschaften mit größeren Firmen eingegangen. Allerdings sind die Umschichtungen im Goldsektor bislang wenig spektakulär verlaufen. Ganz offenbar sträuben sich viele der großen Goldfirmen gegen einen sogenannten "Mega-Merger" nach dem Vorbild anderer Rohstoffbranchen. Erklärt wird dies gemeinhin damit, dass sich die Branchenschwergewichte nicht darüber einigen können, wer in einer solchen Elefantenehe später das Sagen hat.

Gleichwohl wird immer klarer, dass die bisherigen Mini-Fusionen kaum mehr als Notbehelfe sind und für sich allein kaum ausreichen werden, eine Gesundung der Industrie zu garantieren. Neue Aktualität hat die Diskussion durch den dramatischen Verfall des Goldpreises erhalten. Als sicher kann gelten, dass die Notenbanken, die derzeit mehr als zehn Jahresproduktionen der Goldminen in ihren Tresoren lagern, inzwischen mehrheitlich zu Verkäufern des gelben Metalls geworden sind und dies wohl auf absehbare Zeit auch bleiben werden. Dies hat die Situation am Goldmarkt vollkommen verändert: Während die Durchschnittskosten der Goldproduktion derzeit im Durchschnitt bei 320 bis 330 Dollar pro Unze liegen, dümpelt der Goldpreis fast 25 Prozent darunter. Etwa 30 Prozent der Produktion werden bei dem gegenwärtigen Goldpreis mit Verlust gefördert.

Sollte der Goldpreis bis zum Jahresende auf seinem gegenwärtigen Niveau verharren oder gar noch weiter fallen, würden nach Ansicht von Experten weitere Projekte storniert und Minen geschlossen werden. Ob es allerdings zu den mancherorts prophezeiten Großfusionen kommen wird, ist keineswegs sicher. Schließlich gehören Südafrikas Goldriesen Anglogold und Gold Fields mit Förderkosten von 210 bzw. 216 Dollar pro Unze bereits jetzt zu den Billigproduzenten der Branche. Anders als in den meisten anderen Rohstoffbranchen dürfte es am Kap erheblich schwerer werden, die Profitspannen der Minen durch die Fusion der Mutterfirmen zu strecken. Wahrscheinlicher ist hier zur Zeit eine weitere Senkung der Kosten durch verringerte Ausgaben im Personal- und Explorationsbereich. Auch dürften zur Effizienzsteigerung noch mehr Minen und Explorationsstätten zusammengelegt oder ausgetauscht werden.

Unzweifelhaft ist jedoch, dass der jüngste Goldpreisverfall den seit langem andauernden Umbruch im südafrikanischen Goldbergbau weiter forcieren wird. Vieles deutet darauf hin, dass die Zahl der an der Johannesburger Börse notierten Goldfirmen in zwei Jahren von derzeit elf auf nur noch vier zusammenschrumpfen könnte. Noch Mitte der 90 Jahre waren es über 30 Firmen.

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