Wirtschaft : Warten auf den Weihnachtsmann

Apple verkaufte zuletzt weniger iPhones als erwartet. Konkurrent Samsung greift mit neuem Gerät an

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Berlin - Apple-Aktionäre sind wegen immer neuer Verkaufsrekorde verwöhnt. Wer vor einem Jahr knapp 300 Dollar für eine Aktie bezahlte, konnte sie dieser Tage für mehr als 420 verkaufen. Der Kurseinbruch nach dem Tod des Firmengründers Steve Jobs vor zwei Wochen war längst wieder wettgemacht, da brach der Kurs am Dienstag nachbörslich erneut um bis zu sieben Prozent ein. Innerhalb von Minuten verlor Apple 27 Milliarden Dollar an Börsenwert: Anleger zeigten sich offenbar tief enttäuscht von den Zahlen zum dritten Geschäftsquartal, das am 24. September endete. Der Konzern konnte den Absatz seines iPhones zwar um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 17 Millionen steigern. Analysten hatten aber mit bis zu 22 Millionen Verkäufen gerechnet. Auch in Frankfurt sank der Kurs der Apple-Aktie daher um fünf Prozent.

Die Vermutung liegt nahe, dass sich viele potenzielle Kunden mit dem Kauf eines Handys zurückgehalten haben, um das Erscheinen des Nachfolgemodells iPhone 5 abzuwarten. Obwohl der neue Apple-Chef Tim Cook Anfang des Monats lediglich eine Weiterentwicklung des 4er-Modells vorstellte, erwartet der Konzern, dass er im laufenden Quartal, in das auch das Weihnachtsgeschäft fällt, deutlich aufholt. In nur drei Tagen nach Verkaufsstart konnte Apple bereits vier Millionen iPhone 4s verkaufen.

Das Smartphone trägt rund 40 Prozent zum Umsatz des Konzerns bei. Der stieg insgesamt um 39 Prozent auf 28,3 Milliarden im Quartal. Der Gewinn stieg gar extrem stark um 54 Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar. Doch auch hier hatten Analysten noch mehr erwartet. Es war angeblich das erste Mal seit dem Jahr 2001, dass Apple die vorab veröffentlichten Schätzungen von Analysten unterbot.

Deutlich an Bedeutung gewinnt für Apple auch der tastenlose Computer, das iPad, von dem das Unternehmen im Quartal bereits gut elf Millionen Stück absetzte, das waren 166 Prozent mehr als vor einem Jahr. Solide entwickelten sich die Absatzzahlen für die vollwertigen Mac-Computer. Sie stiegen um 27 Prozent auf 4,9 Millionen Geräte.

Cook gab sich in einer ersten Stellungnahme selbstbewusst – nicht nur, was das Weihnachtsgeschäft angeht. „Wir haben fantastische Sachen in der Pipeline“, sagte er. Zugleich sagte er, dass man die Konkurrenz aus Asien auf Abstand halte, der Kontinent als Absatzmarkt aber eine immer wichtigere Rolle spiele. Letztere Einschätzung wird kaum jemand bezweifeln. Was Apples Technologieführerschaft angeht, wachsen die Zweifel: Der südkoreanische Konkurrent Samsung stellte in der Nacht zu Mittwoch das erste Smartphone vor, das mit der neuen Version des Google-Betriebssystems Android läuft. Handy-Tester gaben dem Galaxy Nexus und dem Betriebssystem in ersten Reaktionen durchaus gute Noten. Es sei dem iPhone in einigen Punkten gar überlegen, hieß es.

Das Galaxy Nexus soll im November in die Läden kommen – ebenfalls noch pünktlich zu Weihnachten. Samsung hatte die Präsentation in Hongkong aus Rücksichtnahme auf den Tod von Steve Jobs um zwei Wochen verschoben. Die neue Android-Version mit dem Namen „Ice Cream Sandwich“ soll die Tablet- und Smartphone-Plattformen vereinen und dadurch noch mehr Entwickler anlocken. Noch liegt die Zahl der Android-Apps unter dem Angebot von Apple. mit rtr

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