Wirtschaft : Warten auf Leo Kirch EM.TV-Gründer bestreiten unlautere Geschäfte

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München (nol). Der erste Prozesstag gehörte noch den Anwälten. Sie hatten gemeinsam mit Thomas und Florian Haffa lange Erklärungen formuliert. Die beiden brauchten ihre Unschuldsbeteuerungen nur vom Blatt abzulesen. Am Dienstag, dem zweiten Prozesstag, mussten sich die beiden Brüder nun den Fragen des Gerichts stellen. Der Vorwurf: Kursbetrug. Haben die Brüder – der eine ExVorstandschef, der andere Ex-Finanzchef des Unterhaltungskonzerns EM.TV – im Herbst 2000 Unternehmenszahlen frisiert? Wollten sie damit ihre Anleger täuschen? Der Verdacht klingt plausibel. Bis in die ersten Dezembertage des Jahres 2000 behaupteten die Haffas, ihr Unternehmen mache einen Gewinn in dreistelliger Millionenhöhe. Später stellte sich heraus, dass EM.TV 2000 Verluste von 1,3 Milliarden Euro schrieb. Das Problem: Der Staatsanwalt muss die Brüder anhand einzelner Punkte des Vorsatzes überführen.

Gestern ging es um viel niedrigere Summen als die Milliarden-Lücke: um 30 Millionen Euro. Die Summe haben die Brüder für den Verkauf ihrer Kinderfilm-Rechte an Leo Kirch in die Umsätze des ersten Halbjahres 2000 eingerechnet. Dabei sei im letzten Monat des ersten Halbjahres noch „kein buchbarer Lizenzvertrag geschlossen" worden, so die Anklage. Die Brüder bestritten das: Sie hätten am 13. Juni bei einem Treffen mit Kirch den Vertrag geschlossen – mündlich. Das habe auch gereicht, Thomas Haffa kenne Leo Kirch schließlich seit 20 Jahren.

Warum der schriftliche Vertrag dann viel später ausgearbeitet worden sei, will die Richterin wissen. Es hätten erst komplizierte Rechtefragen geklärt werden müssen, antwortete Thomas Haffa. Der Staatsanwalt hakte nach: Ob es nicht üblich sei, den Preis erst festzusetzen, wenn die Rechte endgültig geklärt seien? Florian Haffa knapp: „Nein." Nur noch eine Zeugenaussage von Kirch, der am Montag geladen ist, könnte die Version der Brüder erschüttern. Staatsanwalt Peter Noll räumte in einer Prozesspause ein, dass seine Aufgabe nicht einfach sei, vor allem durch ein neues Gesetz. Demnach müssen sich die frisierten Unternehmenszahlen auch auf den Aktienkurs ausgewirkt haben, damit sie strafbar sind. „Dazu müsste man Sachverständige hören“, sagt Noll. Ob das Gericht Sachverständige lade, sei aber offen.

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