Wirtschaft : Warum Aktionäre Siemens lieben (Analyse)

Jobst-Hinrich Wiskow

Können diese Kurse lügen? Um 60 Prozent hat sich der Kurs der Siemens-Aktie seit Januar verbessert, während der Deutsche Aktien-Index (Dax) es nur auf zehn Prozent gebracht hat. Siemens ist plötzlich zum Star an der Börse geworden. Die Vergangenheit sah weniger rosig aus. Die Mitarbeiter verschliefen sogar, das im Hause entwickelte Fax-Gerät zu vermarkten, weshalb japanische Anbieter mit der Innovation Gewinn machten. Bei Siemens war von Potenzial und Fantasie nichts zu spüren. Kein Wunder, dass Investoren einen großen Bogen um die Siemens-Aktie machten. Das hat sich inzwischen geändert - doch erst in diesem Jahr. Zuvor ließ sich mit der Aktie kaum Geld verdienen. Nur 1997 entwickelte sie sich geringfügig besser als der Dax, 1996 und 1998 gab es für Aktionäre in einem freundlichen Börsenumfeld rote Zahlen und eine schwarze Null. Die Hausse für das traditionsreiche Wertpapier erklärt sich durch den Einzug des so oft verrufenen Shareholder-Value-Denkens, das Unternehmenswert für die Aktionäre schafft. Konzernlenker Heinrich von Pierer suchte Kernkompetenzen und fand sie. Jetzt baut er das Unternehmen um, kauft zu, spaltet ab, steigert den Gewinn - und den Aktienkurs. Andere Unternehmen - die meisten im Dax - können sich ein Beispiel daran nehmen. Zumal sich nicht nur die Aktionäre freuen: Heutzutage sind die Siemens-Arbeitsplätze rentabler und sicherer denn je - zumindest jene, die die Umstrukturierung überlebt haben.

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