Wirtschaft : Warum die Jungen die Alten brauchen

Jahreskonferenz Kultur- und Kreativwirtschaft

Jakob Wais
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Berlin - Die Veranstaltung beginnt ohne Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). Sehr zur Freude des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Bernd Neumann (CDU). Sein Freund, Brüderles Staatssekretär Hans-Joachim Otto, sei ihm ohnehin viel lieber. Der gibt sich jugendlich: „Eine freie und manchmal chaotische Kreativszene muss sein, sonst herrscht Tristesse im Land“, sagte Otto am Mittwoch auf der Jahreskonferenz Kultur- und Kreativwirtschaft in Berlin.

Die Kreativbranche wächst im Vergleich zum Rest der Wirtschaft doppelt so schnell und entwickelt sich mit mehr als einer Millionen Beschäftigten zu einem starken Wirtschaftszweig. Viele der Kreativen leben aber nach wie vor in prekären Verhältnissen. Deshalb, so Otto, kämpfe die FDP für eine bessere soziale Absicherung, etwa durch den Erhalt der Künstlersozialkasse. Dort sind rund 160 000 Menschen versichert. Die Förderung aus öffentlichen Mitteln sei unverzichtbar. Darum hätten Bund, Länder und Gemeinden 8,1 Milliarden Euro für die Kreativwirtschaft locker gemacht. Damit sind anders als in den USA 90 Prozent der Branche durch öffentliche Mittel finanziert. Daran will Bernd Neumann festhalten, man werde keine britischen Verhältnisse schaffen. Allein der Deutsche Filmförderfonds erhält jährlich 60 Millionen Euro. Dadurch stärke man auch den Standort Berlin, merkte Neumann an und ergänzt mit einem Seitenhieb: „In Berlin geben wir genauso viel Geld aus wie der Senat.“

Die Politik hat Kreativität als „nachwachsenden Rohstoff“ entdeckt und träumt von einer deutschen Vorreiterrolle im internationalen Wettbewerb. Auf diesem Weg bietet auch das 2007 gegründete Kompetenzzentrum Kreative in der ganzen Republik Beratung an, und es fördert den Wettbewerb „Kultur und Kreativpiloten“. Die 32 Gewinner erhalten individuelle Coachings. Die größten Wachstumschancen sehen Neumann und Otto im demografischen Wandel. Die Gruppe der über 50-Jährigen verfüge über mehr als 50 Prozent der Kaufkraft. Darauf solle die Industrie mit neuen Entwicklungen und einem altersgerechten Design reagieren – zum Beispiel mit Seniorenhandys. Jakob Wais

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