Wirtschaft : Warum jetzt auch Japan nach Öl bohrt

Das Land will von ausländischen Anbietern unabhängiger werden

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Von Yuka Hayashi Auf der Suche nach eigenen Reserven ist kein Depot zu klein. Um die Erdölvorkommen zu erreichen, die vor der kleinen, auf der Insel Hokkaido gelegenen Hafenstadt Tomakomai liegen, wurde ein komplexes Netz aus unterirdischen schrägen Bohrlöchern eingerichtet, das sich über einige Meilen und bis zu einer Tiefe von 4900 Metern erstreckt. Ein Bohrloch führt unter einer viel befahrenen Straße entlang, an der sich Arztpraxen und Spielhöllen säumen, unter Gleisen hindurch und an einer Reihe weißer Birken vorbei, bevor es ein tief unter einem Wohngebiet gelegenes Brennstoffdepot erreicht. Diese unspektakuläre Industriestadt mit ihren 170000 Einwohnern ist Zeugin der jüngsten Bemühungen Japans, unabhängiger von importierten Brennstoffen zu werden: Der Aufbau einer kleinen heimischen Brennstoffindustrie, die von Öl oder Gasfeldern abhängt, die man einst als zu klein oder zu teuer eingestuft hat, um sie zu erschließen.

„Wenn man in der Wüste wäre, könnte man einfach gerade nach unten bohren, was viel billiger ist", sagt Yoshifumi Yoshidome, Leiter des Yufutsu-Feldes in Tomakomai, das von der Japan Petroleum Exploration Co. (Japex) betrieben wird, einem Gemeinschaftsunternehmen der japanischen Regierung und verschiedener privater Unternehmen. „Das können wir hier nicht tun, weil wir nicht genug Platz haben."

Bei dem Versuch, die Abhängigkeit von importiertem Öl zu verringern und die Wirtschaft von den Hochs und Tiefs der globalen Energiemärkte abzuschirmen, suchen japanische Geologen immer weiter und tiefer nach potenziellen inländischen Öl- und Gasvorkommen und wenden neue Techniken an, um die Produktion bei den bereits erschlossenen Feldern zu steigern. Sie folgen damit dem weltweiten Trend der Energiekonzerne, auch mit unkonventionellen und teuren Techniken Öl und Gas aus der Erde zu gewinnen. Mit verbesserten Techniken einerseits und bloßer Hartnäckigkeit andererseits quetschen japanische Firmen wie Japex Energie aus jedem Vorkommen, das sie finden können, wie klein oder schwer erreichbar es auch sein mag.

Sicher: Japan steht keinesfalls davor, ein großer Energieproduzent zu werden. Das im Inland produzierte Gas macht etwa drei bis fünf Prozent des Landesverbrauches aus. Doch Japan hat schrittweise seine Abhängigkeit vom importierten Öl reduziert, indem es die Nutzung von Atomkraft, Kohle und alternativer Energien wie Erdwärme und Windkraft ausgebaut hat. Statistiken der Regierung zufolge wurde Ende März 1991 der Gesamtenergiebedarf des Landes zu 57,2 Prozent aus Erdöl gedeckt. Im März 2002 reduzierte sich dieser Anteil auf 49,4 Prozent. 2002 wurden 12,6 Prozent des Energiebedarfs durch Atomkraft, 13,1 Prozent durch Erdgas und 19,1 Prozent durch Kohle gedeckt.

Die Experten sind sich einig, dass Japan auch weiterhin von importierten Brennstoffen abhängig sein wird, wenn es nicht gelingt, eine große neue Energiequelle zu entdecken. Dennoch beginnt das inländische Gas eine entscheidende Rolle in der Wirtschaft zu spielen, was auch mit dem Bedürfnis nach saubereren Energieprodukten zu tun hat: Erdgas verursacht bei der Verbrennung weniger Emissionen als Öl oder Kohle.

Die Erdgasförderung in Japan erreichte im vergangenen Geschäftsjahr, das im März 2005 endete, einen Rekord von 2,96 Milliarden Kubikmetern – 30 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Im gleichen Zeitraum belief sich die Rohöl-Produktion auf 14800 Barrel pro Tag und machte 0,3 Prozent des japanischen Ölverbrauchs aus.

Um Öl in Yufutsu zu finden, führten Wissenschaftler dreidimensionale Untersuchungen unter Tomakomai durch. Dann musste harter Granitstein aufgebohrt werden, um an Gas und Öl zu gelangen. Normalerweise wird Öl in weicherem Stein wie zum Beispiel Sandstein gefunden. In Yufutsu werden täglich 3800 Barrel Öl und 900000 Kubikmeter Gas gefördert. Bei der gegenwärtigen Förderrate werden die Vorkommen offiziellen Stellen zufolge in zwei Jahrzehnten ausgeschöpft sein. Trotz hoher Investitionskosten kann das inländische mit dem importierten Gas konkurrieren, weil Lieferkosten gespart werden. Es kann vom Erdgasfeld direkt in die Häuser oder Fabriken transportiert werden. Importiertes Gas dagegen muss in aufwendigen Verfahren verflüssigt und in Kühlschiffen transportiert werden.

Die Texte wurden übersetzt und bearbeitet von Tina Specht (Airlines), Svenja Weidenfeld (Öl), Matthias Petermann (WTO) und Christian Frobenius (GM).

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