Wirtschaft : Was Bären bringen

Preise heben Marktwert von Filmen

Reinhard Kleber

Auf Filmplakaten machen sich die Goldene Palme oder der Goldene Löwe allemal gut. Renommierte Preise auf Festivals wie Berlin, Cannes und Venedig lenken Aufmerksamkeit auf Filme, die um die Gunst des Kinopublikums wetteifern. Aber schlagen sich die Auszeichnungen auch in höheren Umsätzen nieder?

„Schaden tun sie nicht, aber ob sie was nützen, hängt vom Einzelfall ab“, konstatiert Johannes Klingsporn, der Geschäftsführer des Filmverleiherverbandes. „Großen Einfluss haben jedenfalls der Oscar und der Deutsche Filmpreis, vor allem wenn die prämierten Filme noch im Kinoeinsatz sind.“ Bei Filmen, deren Kinoauswertung schon beendet ist, sei ungewiss, ob sich eine Wiederaufführung lohne.

In barer Münze ausgezahlt hat sich der Oscar für den besten nichtenglischsprachigen Film, den Caroline Link 2003 für „Nirgendwo in Afrika“ gewann. „Bei den Besucherzahlen hat der Oscar einen großen ,push‘ gegeben, die haben in der Größenordnung von 20 Prozent zugelegt“, erinnert sich der Verleihvorstand von Constantin Film, Thomas Peter Friedl. „Sehr viel größer war der Effekt aber bei der DVD- und TV-Auswertung.“

Einen enormen Schub brachte der Goldene Bär auf der Berlinale 2004 für den Kinoeinsatz der Liebestragödie „Gegen die Wand“ von Fatih Akin. „Der erste Goldbär für einen deutschen Film nach 18 Jahren hat einen Megahype ausgelöst“, sagt Produzent Stefan Schubert von Wüste Film. Dazu seien die Schlagzeilen um die Porno- Vergangenheit der Hauptdarstellerin gekommen. „Wir haben mit 200 000 bis 250 000 Kinobesuchern gerechnet“, sagt Schubert. Am Ende lockte der Film 780 000 an.

Inwieweit die mediale Präsenz eines prämierten Films sich auszahlt, lässt sich oft nicht so eindeutig erkennen wie im Fall Akin. Bei Filmen ohne Hollywood-Stars wie etwa „The Wind that shakes the Barley“ von Ken Loach hat die Goldene Palme in Cannes kein Wunder bewirkt. Nach fünf Wochen sahen das Politdrama hierzulande nur 55 000 Besucher. Die Auszeichnung habe zwar zu einer größeren Beachtung in den ernst zu nehmenden Blättern geführt, sagt Torsten Frehse, Geschäftsführer des Berliner Verleihs Neue Visionen. Bei den TV-Sendern habe aber auch die Palme nicht gereicht, „um wenigstens einen 30-Sekunden-Bericht zu bringen“.

Im Gegensatz dazu ist die Zugkraft des Oscars so stark, dass selbst Nominierungen helfen. So profitiert die gerade gestartete Musical-Adaption „Dreamgirls“ von acht Oscar-Nominierungen. Das maximale Drehmoment entstehe aber, wenn ein Film in der laufenden Auswertung bei den Oscars abräumt, erklärt Andreas Kramer vom Kinobesitzerverband HDF. „Wenn ,Dreamgirls‘ am 25. Februar mehrere Oscars gewinnt, dann wird er abgehen wie eine Rakete.“

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