Wirtschaft : Was bleibt, ist Frust

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Von Dieter Fockenbrock

Wie passt das zusammen? Siemens streicht 35 000 Arbeitsplätze, trennt sich von unprofitablen Töchtern, setzt Randbereiche auf die Verkaufsliste. Es wird umstrukturiert was das Zeug hält. Selbst in der Münchener Konzernzentrale dürfte der Überblick verloren gegangen sein, das wie vielte Struktur und Umbauprogramm gerade durchgezogen wird.

Und dann dieser Jahresabschluss: Siemens hat mit 2,6 Milliarden Euro Gewinn das zweitbeste Ergebnis in der Firmengeschichte hingelegt. Die Aktionäre bekommen unverändert einen Euro Dividende für jede Aktie. Passt das zusammen?

Hinter dem vorzeigbaren Ergebnis, das Konzernchef Heinrich von Pierer bescheiden mit „ganz zufrieden“ kommentiert, steckt natürlich ein kleiner Trick. Siemens hat im vergangenen Geschäftsjahr seine Beteiligung an dem Chipproduzenten Infineon unter 50 Prozent gedrückt. Dafür kam Geld in die Kasse, das den Gewinn jetzt ordentlich aufpoliert. Und: Je geringer die Beteiligung, desto geringer der Anteil, den Siemens vom Verlust der Chiptochter bei sich buchen muss. Diesen Sondereffekt kann von Pierer allerdings nicht wiederholen. Denn an den Verkauf weiterer Infineon-Aktien ist vorerst wegen der Börsenflaute nicht zu denken.

So kommen die Siemens-Aktionäre diesmal mit einem blauen Auge davon. Den Siemens-Beschäftigten ist das kein Trost. Unsicherheit und Frust in dem Traditionskonzern sind derzeit so groß, dass selbst die vielen Belegschaftsaktionäre keine Freude haben – ein sicherer Job wäre ihnen lieber.

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