Wirtschaft : Was den Schmutz bewegt

Anselm Waldermann

Selten waren sich Verbraucher und Industrie so einig wie in den vergangenen Wochen: Auf die hohen Strompreise schimpfen beide Seiten gleichermaßen. Die einen klagen wegen der hohen Energiekosten über zu wenig Geld für den Konsum, die anderen drohen gar mit Abwanderung ins Ausland, weil der teure Strom die Produktion in Deutschland unrentabel mache.

Von der Hand zu weisen ist die Kritik nicht: An der Leipziger Energiebörse EEX kletterte der Preis für eine Megawattstunde (MWh) Strom von 25 Euro im Januar auf mittlerweile rund 50 Euro. In Spitzenzeiten sprang der Kurs sogar auf Werte um die 85 Euro. Ein beliebtes Argument der Händler: Der Preis für CO2-Emissionszertifikate habe sich seit Jahresbeginn mehr als vervierfacht. Weil Kohle- und Gaskraftwerke CO2 ausstoßen, sei der Betrieb damit eben teurer geworden.

Was Börsianer dabei vergessen: Zu Beginn der Handelsperiode hatte die EU die Verschmutzungsrechte umsonst an die Unternehmen verteilt. Die Energiekonzerne erhielten dabei die meisten Zertifikate. Steigt deren Preis, bedeutet das für die Stromerzeuger nicht höhere Kosten, sondern höhere Gewinne. Kritiker weisen darauf hin, dass der CO2-Markt gar kein richtiger Markt sei, sondern von wenigen großen Playern dominiert werde.

Auch die erneuerbaren Energien müssen oft als Grund für die steigenden Strompreise hinhalten. Doch am Endkundenpreis einer Kilowattstunde von durchschnittlich 19,8 Cent machen sie gerade einmal 0,5 Cent aus – geändert hat sich daran in jüngster Zeit nichts. Das Gleiche gilt für Steuern und Abgaben: Auf sie entfallen je Kilowattstunde zwar beachtliche 6,8 Cent – doch so viel war es auch schon im vergangenen Jahr. Die hohen Öl- und Gaspreise taugen ebenfalls nicht als Erklärung: Öl spielt in der deutschen Stromerzeugung keine Rolle, und der Anteil des Stroms aus Gas liegt bei lediglich acht Prozent.

Was also treibt den Strompreis? Experten haben den Verdacht, dass die vier großen Versorger Eon, RWE, Vattenfall und EnBW die Strommengen künstlich knapp halten. Weil sie den Handel an der Strombörse dominieren, könnten sie die Preise durch geschickte Zu- und Verkäufe bewusst beeinflussen. Nur: Beweise gibt es für diese Vermutung natürlich nicht.

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Erklärungen für den hohen Strompreis

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