Wirtschaft : Was die Anleger erwarten

-

Groß war der Jubel, als der Dow Jones an der New Yorker Börse am vergangenen Dienstag wieder über die Marke von 10 000 Punkten kletterte. Schnell machte sich die Erwartung breit, dass sich nun auch die Börsen nachhaltig erholen und zügig weiter nach oben steigen. Zumal die Notenbank den Anlegern offenbar in absehbarer Zeit keinen Strich durch die Rechnung machen will.

Die Freude über den Kurssprung ist verständlich. Die Hürde von 10 000 Zählern hat zwar keinerlei ökonomische Bedeutung. Sie ist aber vor allem für Kleinaktionäre und private Anleger von beachtlicher psychologischer Tragweite. Seit Mai 2002 hatte der Dow Jones Index der wichtigsten amerikanischen Standardwerte diese wichtige Schwelle nicht mehr übersprungen. Und es gleicht einem Wunder, dass der Weg zurück zu neuem Optimismus für die Wirtschaft und die Börsen so schnell gelang. Vor allem, wenn man an all die Rückschläge denkt, die Anleger in den vergangenen Jahren durchmachen mussten: Da war zuerst das Platzen der InternetBlase im Jahr 2000, das tiefe Spuren hinterließ. Es kam der 11. September 2001, der die Börsen nachhaltig schwächte. Die Bilanzfälschungen der Großunternehmen zerrütteten das Vertrauen der Anleger vollends. Und dann kamen noch die kürzlich aufgedeckten Skandale bei den Investmentfonds hinzu. Das Wiedererstarken des US-Aktienmarktes zeigt jedoch, dass all das die Anleger nicht traumatisiert hat: Die Spekulationen über das schwindende Anlegervertrauen sind beendet. Und widerlegt sind auch die Befürchtungen, dass die Wall-Street-Schwindeleien eine massenhafte Abwanderung von Fondsanlegern zur Folge haben würden. Die Investoren bewiesen, dass sie weitaus robuster sind, als man ihnen zugetraut hatte.

Es wird noch einige Zeit dauern, bis man die Markierung der Zehntausender-Marke durch den Dow Jones in der letzten Woche verlässlich deuten kann. Noch ist nicht klar, ob sie den Anlauf für das Erklimmen eines neuen Höchststandes anzeigt – der jetzige liegt bei 11 722 Punkten und ist vom 14. Januar 2000. Sicher ist hingegen, dass inzwischen die Hälfte der US-Bürger in dieser oder jener Form Aktienbesitzer sind. Ein Punktestand von 10 000 ist vor diesem Hintergrund mehr als nur eine abstrakte Größe.

0 Kommentare

Neuester Kommentar