Wirtschaft : Was Forscher raten

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Foto: promodpa

MICHAEL HÜTHER,

INSTITUT DER DEUTSCHEN WIRTSCHAFT:

Substanzbesteuerung abschaffen. Dies würde die Liquiditätslage der Firmen verbessern. Angesichts des noch immer geringen Auftragsniveaus wäre dies wichtig, um Beschäftigung zu halten.

Kreditversorgung sicherstellen. Zwar gibt es noch keine Anzeichen für eine Kreditklemme, doch sie droht im Aufschwung. Deshalb muss der Verbriefungsmarkt belebt werden. Würde der Staat mit Bürgschaften eingreifen, bekämen die Banken über Verbriefungen mehr Spielraum zur Kreditvergabe.

Sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen liberalisieren. Das Verbot der Vorbeschäftigung sollte aufgehoben und eine Befristung von zweimal zwei Jahren möglich werden. Dadurch kann bei steigender Nachfrage mehr Raum für Beschäftigung entstehen, weil die Risiken mit Blick auf die Konjunktur leichter tragbar sind. Gerade im Mittelstand kann dies helfen.

KLAUS ZIMMERMANN, DEUTSCHES INSTITUT FÜR WIRTSCHAFTSFORSCHUNG:

Flexibler Arbeitsmarkt: Es ist wichtig, den Arbeitsmarkt flexibel zu erhalten, um mit dem kommenden Aufschwung neue Beschäftigung zu schaffen.

Kündigungsschutz lockern. Für Neuverträge sollte es auf Zeit weniger Schutz geben, so dass Neueinstellungen auch bei noch unsicherer Konjunkturlage erfolgen können.

Arbeitsmarkt öffnen. Die Zugangsbeschränkung für Arbeitnehmer aus den EU-Beitrittsländern Osteuropas wird sofort aufgehoben. Dann kommen Fachkräfte, die zuvor in andere Länder gewandert sind, nach Deutschland und sorgen dafür, dass deutsche gering Qualifizierte Arbeit finden.

Besser vermitteln. Eine neue Institution sollte die Vermittlung Langzeitarbeitsloser und neuer Arbeitsloser in den Fokus nehmen. Niemand soll mehr vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen bleiben.

DIERK HIRSCHEL, DGB-CHEFÖKONOM:

Arbeitsmarktpolitik einsetzen. Die Regierung muss alles tun, um Arbeitslosigkeit zu verhindern. Dazu gehören Kurzarbeit und Qualifizierung, die Verlängerung der Altersteilzeit und Arbeitszeitverkürzung. Die Auftragseinbrüche können aber nicht politisch abgefedert werden. Daher müssen die Investitionen aus dem Konjunkturprogramm II verstetigt werden. Und es braucht ein Investitionsprogramm für Bildung, Gesundheit und Infrastruktur.

Unternehmen schützen. Die Wertschöpfungsketten müssen vor der Krise geschützt werden. Aktive Industriepolitik muss strategisch wichtige Unternehmen stützen, im Zweifelsfall mittels staatlicher Beteiligungen. Tariftreue, Standort- und Beschäftigungsgarantien sowie ein Ausbau der Mitbestimmung sind wichtige Voraussetzungen für die Gewährung dieser Hilfen.

Löhne stützen. Sollten Löhne und Preise bald purzeln, droht langjähriger Stillstand. Mindestlöhne und ein Verzicht auf Sparpolitik sind wichtige Bausteine gegen Deflationsgefahren.

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