WAS KOSTET WEIHNACHTEN? : Oh, du Klamme

Eines ist schon vor der Bescherung klar: Es wird ein teures Weihnachtsfest, auch ohne Geschenke.

Maren Peters

Gewiefte Marktforscher wissen, dass eine schöne Bescherung auch eine Frage des Klimas ist – nicht nur im Weihnachtszimmer. „Wenn es draußen kalt ist“, sagt Wolfgang Twardawa von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GFK), „geben die Leute weniger Geld für Geschenke aus“.

Durchschnittlich 246 Euro will jeder Deutsche in diesem Jahr im Schnitt für Weihnachtsgeschenke ausgeben, hat die Unternehmensberatung Ernst & Young ermittelt. Dabei ist eines schon jetzt klar: Auch ohne Geschenke wird es ein besonders teures Weihnachtsfest. Vieles, was traditionell zum Fest dazugehört, gibt es nur mit einem kräftigen Aufschlag.

Für die Weihnachtsgans müssen Konsumenten zum Beispiel 80 Cent pro Kilo draufzahlen (siehe nebenstehender Artikel), Geflügel insgesamt ist allein im November um 18 Prozent teurer gewesen als ein Jahr zuvor, für den Käse zum Abschluss des Festmahls müssen Konsumenten fast genauso viel drauflegen. Selbst duftende Zitrusfrüchte sind nicht ausgenommen. „Die Orangen auf dem Gabenteller werden dieses Weihnachten etwas teurer“, kündigt Paul Michels von der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle der Agrarwirtschaft an.

Wer die Weihnachtsrechnung aufmacht, sollte auch den Baum nicht vergessen. Bis zu 40 Euro wird in diesem Jahr für eine große Nordmanntanne fällig. Und damit ist es noch nicht getan, denn auch Lichterketten kosten mehr – zumindest im Verbrauch. Das wiederum liegt an den kräftig gestiegenen Strompreisen.

Dabei hat das Wetter in der Kalkulation noch keine Rolle gespielt. „Erst wenn es kalt wird, geht den meisten Leuten auf, dass sie Heizöl nachkaufen müssen“, sagt GFK-Mann Twardawa. Und in den meisten Haushalten seien die Tanks gerade noch zu einem Drittel gefüllt. Ein Temperatursturz hätte Verbrauchern und Handel gerade noch gefehlt. Zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts ist ihre Kauflust ohnehin schon auf dem niedrigsten Stand seit Sommer 2005. Dass der Aufschwung keine sichtbaren Spuren hinterlassen hat, liegt vor allem an den heftig gestiegenen Kosten für Heizöl und Lebensmittel, die die Teuerungsrate allein im November auf den höchsten Stand seit 13 Jahren getrieben haben.

Wie sehr allein die Energiekosten auch das Weihnachtsbudget belasten, hat das Heidelberger Institut für Energiedienstleistungen (Ifed) exklusiv für den Tagesspiegel am Sonntag ausgerechnet. Für einen Berliner Musterhaushalt mit zwei Lichterketten und einem Lichtschlauch ergeben sich beim billigsten Stromanbieter Kosten von bis zu 33,09 Euro. Beim teuersten Anbieter fallen bis zu 46,50 Euro an. Eine einzige Lichterkette rund um die Uhr brennen zu lassen, kostet in Berlin über die fünfwöchige Weihnachtszeit bis zu 44,40 Euro. Insgesamt verbrauchen Berliner Privathaushalte für Weihnachtsbeleuchtung 16 881 977 Kilowattstunden Strom. „Das reicht aus, um 4823 Haushalte ein ganzes Jahr mit Strom zu versorgen“, sagt Ifed-Chef Rüdiger Winkler.

Ein kleiner Trost mag sein, dass wenigstens die meisten Geschenke im Vergleich zum Vorjahr nicht mehr kosten. Vor allem Konsumartikel seien von Preissteigerungen nicht betroffen, sagt Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes HDE. Typische Geschenke wie Pullis, Strümpfe und Jacken sind nach Angaben des Textileinzelhandelsverbandes im Vergleich zum Vorjahr im Schnitt sogar ein Prozent billiger geworden. Ähnliches gilt für Unterhaltungselektronik, die bei vielen ganz oben auf der Wunschliste steht. „Der Preisverfall in der Branche liegt bei zehn bis 30 Prozent“, sagt Roland Stehle von der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik. Das gilt natürlich nicht für brandneue Geräte wie das iPhone, das mit Vertragsbindung 399 Euro kostet. Für Hightech-Spielzeug wie digitale Kameras und portable Navigationsgeräte sind Verbraucher allerdings bereit, deutlich mehr Geld auszugeben, allein 2006 waren es 110 Euro pro Kopf – 13 Prozent mehr als im Vorjahr. „Das ist mit Sicherheit noch nicht das Ende“, sagt Stehle mit Blick auf Weihnachten.

Es gibt auch Ausreißer auf dem Gabentisch, Parfüm zum Beispiel. „Wir erleben bei einigen Markenherstellern erkennbare Preissteigerungen“, sagt Werner Hariegel, Geschäftsführer des Bundesverbandes Parfümerien. Bei Schmuck werden die kräftig gestiegenen Rohstoffpreise für Gold dagegen erst 2008 zu steigenden Preisen führen, sagt Horst Valentin, Präsident des Zentralverbandes Uhren, Schmuck und Zeitmesstechnik. „Goldschmuck wird zwischen drei und fünf Prozent teurer“, kündigt er an.

Zumindest das bleibt Konsumenten zum Fest erspart. Weniger rücksichtsvoll ist das Klima: Die milde Witterung werde in der zweiten Dezemberhälfte von einer „eher kälteren Phase“ abgelöst, prophezeit Karsten Brandt vom Wetterdienst Donnerwetter.de. Schlecht fürs Geschenkebudget. Zum Trost: Auch die Chance auf eine weiße Weihnacht ist gestiegen.

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