Wirtschaft : „Was natürlich ist, ist für mich auch schön“

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Herr Birkenstock, welche Schuhe tragen Sie gerade?

Ich trage gerade ein Paar Zweiriemer von Betula, einer Marke aus unserem Haus.

Warum nicht die Klassiker? Finden Sie die nicht ästhetisch?

Um Ästhetik geht es gar nicht. Birkenstocks sind gesund und der natürlichen Fußform angepasst. Und alles, was natürlich ist, ist für mich auch schön.

Birkenstocks gelten zwar als das Synonym für Sandalen, aber nicht gerade als modisch. Gehen Sie denn gar nicht mit der Zeit?

Die klassischen Birkenstock-Modelle haben wir in den vergangenen Jahren nicht groß verändert. Da geht es auch gar nicht um Mode. Um Trends zu setzen oder aufzugreifen, haben wir unsere anderen Marken, beispielsweise Betula.

Das heißt, aus dem Hause Birkenstock kommen nicht nur Öko-Treter?

Nein, weiß Gott nicht. Wir decken jeden Bereich ab, von Boots bis zu Sandalen. Insgesamt produzieren wir rund 10 000 Artikel. Betula spricht beispielsweise mit bunten, gestreiften Schuhen die modisch interessierten Kunden an. Alle unsere Modelle basieren jedoch auf ein- und demselben Fußbett, das es mittlerweile seit 40 Jahren gibt. Gesundheit wird groß geschrieben.

Was läuft denn bei Betula in diesem Sommer besonders gut?

In erster Linie Flip-Flops. Die verkaufen sich momentan sehr gut. Wir setzen sie containerweise ab. Im Trend liegt auch der „Stripe“, eine Sandale mit drei übereinander liegenden Kunststoffriemen, ebenso der „Nature“. Das ist ein Schuh aus Argave.

Ihr Fußbett hat aber seinen Preis.

Unsere Schuhe sind nicht zu teuer. Die Spanne ist groß. Sie reicht von 19 Euro für die Flip-Flops bis 250 Euro, die Sie für unsere Wald-Stiefel bezahlen müssten.

Trotz Ihrer Neuerungen: Dem Birkenstock-Träger haftet das Öko-Klischee an. Ärgert Sie das nicht?

Überhaupt nicht. In Wahrheit sind die Träger der Birkenstocks einfach nur gesundheitsbewusste Menschen, die auf ein natürlich belassenes Fußbett ihres Schuhs Wert legen. Sie tragen ihre Schuhe teilweise bei der Arbeit, beispielsweise im Krankenhaus, und vor allem zu Hause. Betula-Träger zeigen dagegen auch modisches Interesse. Birkenstock lässt sich nicht auf Öko-Treter reduzieren.

Es gibt viele neue Sandalen und andere Sommerschuhe auf dem Markt. Leiden Sie an der verstärkten Konkurrenz?

Nein, überhaupt nicht. Als Gesundheitsschuh ist der Birkenstock konkurrenzlos, der Absatz ist stabil. Bei den modischen Modellen sind wir breit genug aufgestellt. Durch Neuentwicklungen haben wir auch neue Kundengruppen gewonnen.

Wieviel mehr setzen Sie gegenüber den anderen Jahreszeiten ab?

Dem Absatz im Sommer kommt natürlich eine entscheidende Bedeutung zu, da ein Großteil unserer Produkte Sandalen und andere Sommerschuhe sind. Ich schätze, dass zwischen 60 und 70 Prozent aller Schuhe aus dem Hause Birkenstock im Sommer verkauft werden. Allerdings ist bei uns quasi das ganze Jahr über Sommer. Wir liefern außerdem weltweit aus, von daher ist es in unserem Absatzgebiet immer warm.

Das Interview führte Dirk Benninghoff.

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